Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

St. Johannes

Die Kirche St. Johannes Baptist in Berg

In Bayern ist im 8. Jh. eine große Anzahl von Kirchen entstanden, in der Mehrzahl als Eigenkirchen adeliger Grundherren auf eigenem Grund. Diese Eigenkirchen mußten zwar vom Bischof geweiht werden, verblieben aber im Besitz der Gründer und in der Verfügungsgewalt der Grundherren, wenn nicht eine Schenkung an den Bischof erfolgte. Die Eigenkirchen schränkten das bis dahin unbegrenzte Verfügungsrecht der Bischöfe ein, schmälerten ihre Einkünfte und führten zur Dezentralisation der kirchlichen Organisation, weshalb Karl der Große 794 Gesetze zum Eigenkirchenwesen erließ, um die Konflikte beizulegen. Er verbot, vom Kirchengut etwas abzutrennen und machte den Grundherren zur Auflage, die Kirche ausreichend auszustatten, ihre wirtschaftliche Basis zu gewährleisten und machte ihnen zur Pflicht, zur Kirchengründung und zur Ernennung eines Geistlichen die Erlaubnis des Bischofs einzuholen. 819 sprach Kaiser Ludwig der Fromme den Eigenkirchen auch das Zehntrecht zu, wobei die Zehntabgabe zu gleichen Teilen dem Bischof, dem Grundherrn, dem Geistlichen und den Armen zufließen sollte.
Die Freisinger Traditionen verzeichnen vier Schenkungen in Berg an das Hochstift Freising im 9.Jh. Das sind die ältesten urkundlichen Zeugnisse von Berg. In fünf Bistumsbeschreibungen ist das Gotteshaus St. Johannes Baptist in Berg erfaßt, wobei es in der Beschreibung von 1884 heißt: Berg ist ein Dorf mit Nebenkirche, königlichem Schloß und Sommervillen, mit 145 Seelen und 31 Häusern. Die Kirche hat einen Spitzturm und zwei kleine Glocken. Patron ist der hl. Johannes Baptist.
Diese kleine Kirche St. Johannes Baptist, worin auch wir unsere Gottesdienste abhalten, stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist romanischen Ursprungs. Sie steht an eindrucksvoller Stelle unmittelbar an der Kante des Steilhanges hoch über dem See und vermittelt noch heute einen guten Eindruck von einer kleinen romanischen Taufkirche.
Der einschiffige Bau mit niederer halbrunder Apsis hat dicke Bruchsteinmauern. In spätgotischer Zeit wurden Dachstuhl und Giebel erhöht und die Giebelfenster eingefügt. Die Barockisierung des Kirchleins erfolgte 1658/59. Dabei wurden die Fenster vergrößert und durch ein weiteres Fenster ergänzt, die Empore umgebaut und eine Zwischendecke eingezogen. Der Kirchenraum erhielt einfache Modelstuckleisten, die den niederen Bogen, hinter dem die Apsis anschließt, und die Fenster umrahmen. Die abgesenkte Decke ist in der Mitte mit einem runden Stuckrahmenfeld verziert und mit Eierstabstuckleisten eingefaßt. Das Zwiebeltürmchen der Kirche wurde 1867 durch den heutigen Dachreiter mit der schindelgedeckten Spitze ersetzt, den König Ludwig II. gestiftet hat. In der Apsis steht der Altar aus dem 17. Jh. mit der Rokokofigur des Kirchenpatrons Johannes Baptist aus der Mitte des 18. Jh.s flankiert von der hl. Magdalena und der hl. Monika. Auf den seitlichen Konsolen auf der rechten Seite des Torbogens steht eine spätgotische Muttergottes. An der Südwand des Kirchenschiffs hängt ein mächtiges Barock-Kruzifix mit der Schmerzensmutter und zwei frühbarocken jubilierenden Engeln vom Anfang des 17. Jh.s. Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche ist das spätgotische um 1500 entstandene Relief des Todes Mariae im Kreise von 10 Aposteln. Die knieende Gottesmutter wird von Johannes gehalten und erwartet, im Gebet versunken, ihre Todesstunde. Die beiden Leuchterengel stammen aus dem 16. Jh.
Der Kirchenraum ist durch das über die Fenster einfallende Licht ausgeleuchtet und wirkt hell und warm.


Liselotte Klein


(Quelle: H.R.Klein, Bd.1 „Berg“,1998)


 

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