Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Predigt an Estomihi, 11.02.2018

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 von Pfarrer Johannes Habdank über Markus 8,31-38

„Helau und Alaaf!“, liebe Gemeinde! „Jubel, Trubel, Heiterkeit“!

Fasching, Fastnacht, Karneval, wie Sie ihn auch nennen, wo er auch stattfindet - er erreicht in diesen Tagen vielerorts seinen Höhepunkt! Nicht nur Kinder schlüpfen in lustige Kostüme und in andere Rollen. Auch Erwachsene zeigen, dass in ihnen immer noch ein Kind steckt - mehr oder weniger geistreich in Szene gesetzt, meist mehr weniger, kurios und läppisch zugleich. Oft auch einfach nur peinlich. Und wenn man dabei ist oder das sog. närrische Treiben auch nur zeitweise im Fernsehen mitverfolgt, dann sieht man auch, wie Wildfremde sich bei den Umzügen auf den Straßen johlend oder grölend in den Armen liegen, es wird geschunkelt, gefeiert und getanzt - meist in angeheitertem Zustand, um es milde auszudrücken. Sogenannte Faschingsmuffel schalten um oder ab, lesen ein Buch, hören gute Musik oder suchen das Weite – einige gehen sogar in die Kirche am Faschingssonntag!

Was über dem ganzen „Zirkus“, der da aufgeführt wird, oft vergessen wird, ist die Tatsache, dass der Fasching oder Karneval eigentlich ein Fest aus dem kirchlichen Kalender ist. Seine Ursprünge reichen bis weit ins Mittelalter zurück und haben mit der mehrwöchigen Fastenzeit vor Ostern zu tun. Von Italien aus verbreitete sich der Brauch, dass man es vor Beginn der Fastenzeit noch einmal „so richtig krachen“ ließ. Von daher stammt auch der Name „Karneval“: „Carnevale“ bedeutet so viel wie „Fleisch, lebe wohl!“ - Viele Menschen heutzutage feiern zwar den „Karnevale“, das anschließende Fasten jedoch haben sie aufgegeben. Und wenn gefastet wird, dann oft aus ganz anderen als religiösen Gründen – nämlich gesundheitlichen, oder der Figur? Wäre besser vor dem Fasching! Jedenfalls: das Freudige von „Carnevale“ ist geblieben und wird einigermaßen exzessiv gefeiert. Das Ernste aber, gar mit seinem religiösen Hintergrund, wird gerne verdrängt. Dabei gehört beides – Feiern und Ernstsein – für eine gute Feier untrennbar zusammen. Aber diese Verdrängung gehört zur Signatur unserer gesellschaftlichen Gegenwart, dass sie dem Ernst des Lebens nach Möglichkeit ausweicht und einer ziemlich oberflächlichen Spaßkultur frönt und erliegt. Gemäß einem Buchtitel des Amerikaners Neil Postman: „Wir amüsieren uns zu Tode“. Der kirchliche Jahreskalender ist da ehrlicher und realitätsnäher, indem er beides zu seinem Recht kommen lässt: den Spaß und den Ernst. Er hält uns an, neben und nach der freudigen Feier des Lebens auch seine Verletzlichkeit und Wunden in den Blick zu nehmen. Übrigens ist auch der Karneval selbst ursprünglich und heute nicht nur heiter und unbeschwert. Wer genauer hinschaut, der entdeckt auch in ihm wenigstens vereinzelte Spuren von Melancholie angesichts von Vergänglichkeit und auch einer gewissen Sinnarmut, wozu allerdings seine massenmediale Inszenierung von Niveaulosigkeit auch selbst beiträgt – und sei es nur die „traurige Erkenntnis“, dass am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist.

Insofern ist es gar nicht so anachronistisch, wie es zunächst den Anschein haben kann, dass der biblische Text uns heute, am Faschingssonntag, so unmissverständlich auf die beginnende Passionszeit, die Passion Jesu verweist. Die Passage, die Sie nun hören werden, hat nichts von Heiterkeit, Scherz oder gar Schabernack an sich, im Gegenteil: Jesus kündigt seinen Jüngern sein nahes Leiden und Sterben an.

Beim Evangelisten Markus liest sich das so:
Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist. Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten. Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Liebe Gemeinde, zweifelsohne gibt es in der Bibel viele erbauliche, tröstliche, auch ästhetisch ansprechende Passagen – diese jedoch zählt nicht dazu. Sie ist sperrig, beunruhigend, in sich scheinbar sogar widersprüchlich und paradox. Kein Wunder, dass der Jünger Simon Petrus entsetzt dazwischen geht und Jesus bremsen und korrigieren will. Kann ich auf Anhieb erstmal auch verstehen: So etwas möchte niemand hören, alle diese schrecklichen Worte: Leiden, Sterben, Kreuz, Selbstverleugnung. Wenn sie so massiv hervorbrechen wie hier aus dem Munde Jesu, da möchte sich mancher am liebsten selbst die Ohren zu halten oder etwas dagegen sagen.

Und Jesus lässt ja wirklich nichts aus. Nicht nur, dass er seinen eigenen Tod ankündigt – das ist für die Seinen schon schlimm genug, die so viele Hoffnungen in ihn gesetzt hatten – nein, er geht sogar noch weiter. Er erhebt sein persönliches Schicksal zum Maßstab dafür, was Menschen erwartet, die sich auf ihn einlassen. Er erhebt das Kreuz, eigentlich ein Zeichen der Schande, zum Symbol der Jüngerschaft. Er behauptet allen Ernstes, dass Leiden Sinn macht, dass der Gewinn im Verlust liegt und der Sieg in der Niederlage. Das klingt erstmal abwegig, alles andere als einleuchtend, geschweige denn einladend. „So wirbt man doch nicht für sich“, würden Marketing-Strategen sagen, so schreckt man vielmehr ab. Ein seltsamer Prophet, dieser Jesus von Nazareth. Ein Stachel im Fleisch jedes Menschen, jeder Gesellschaft, damals wie heute!

Gehen wir einmal von unserer komplexen Welt heute aus. Denken wir heute an die Nachrichten aus aller Welt: Viel Positives bekommt man nicht zu hören, obwohl es sicher mehr davon zu berichten gäbe. Stattdessen: immer wieder werden thematisiert Korruption und Profitgier in Wirtschaft, Politik und auch im Sport, Doping und Bestechungsskandale ohne Ende. Solche Vorgänge können doch sprachlos machen. Umso mehr, wenn uns fast zeitgleich die Nachricht von erneuten Flüchtlingsdramen - seit wievielen Jahren jetzt eigentlich? - im Mittelmeer und auch zu Lande, erreicht. Diese Tragödien waren vorprogrammiert und seit Jahren, ja Jahrzehnten vorauszusehen, durch einfache Hochrechnung von wirtschaftlichen und demografischen Entwicklungen. Und es gäbe noch viele Beispiele mehr, insbesondere die von skrupelloser Geldwäsche international und Korruption in horrenden Größenordnungen einerseits, und andererseits immer noch das Feilschen um ein paar Millionen, wenn es um die Rettung und bessere Integration von Menschen geht – dies, liebe Gemeinde, diese Doppelzüngigkeit, ist Realität nicht nur bei uns seit Jahren. Es wird mit unterschiedlichem Maß gemessen, wo doch mit etwas mehr gutem Willen einiges mehr getan werden könnte, finanziell und humanitär.

Warum ich das alles anspreche? Ich denke in dem ganzen Zusammenhang an die Worte Jesu: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?“ Mit diesen Worten erteilt Jesus allem rücksichtslosen, auch kriminell realisierten absolut gesetzten Egoismus, übertriebenem, selbstsüchtigem Gewinnstreben und dem reinen Horten von Besitz auf Kosten anderer eine deutliche Absage. Wobei das alles letztlich für Jesus nicht der Punkt ist, sondern viel mehr, denn schließlich ist Jesus im Wesen kein Politiker gewesen: Jesus geht es um menschlich Elementares: Er verschiebt die Gewichte zugunsten einer ganz anderen, menschlichen Größe: der Seele.

Seele – ein altertümlich anmutendes Wort. Im antiken Sprachgebrauch ist Seele das, was den Menschen ausmacht, was ihn prägt und sein Denken und Wollen bestimmt. Sie ist der Kern seines Wesens. Und dass dieser Kern heil und gesund bleibt und keinen Schaden nimmt oder heil und gesund wird, das ist Jesus zufolge das Wichtigste im Leben, ungleich wichtiger als alle materiellen Güter und alle Gewinnsucht.

Das mag in den Ohren vieler Menschen ziemlich weltfremd klingen, enthält aber doch eine tiefe Wahrheit. Denn man kann es ja durchaus immer wieder wahrnehmen, wohin der unentwegte Drang des Ego nach Gewinn und Macht in dieser massiven Form, dieses nimmersatte Streben nach immer noch Mehr uns bringt. Nicht nur das menschliche Miteinander, soziale Verantwortung und Vertrauen leiden darunter. Auch unser Planet Erde leidet darunter zunehmend und wir offenkundig mit ihm, wenn wir es denn wahrhaben wollen.

Nun, es genügt wohl kaum, mit dem Finger auf das korrupte Verhalten irgendeiner Bank oder eines Industriekonzerns oder irgendwelcher hoher Funktionäre in Gesellschaft, Wirtschaft oder Sport zu zeigen, um dann von den Regierungen Europas und anderer Länder, etwa auch der Schweiz, mehr Hilfsbereitschaft einzufordern. Denn das ist „nur“ die Politik-Seite, auf die viele von uns aber nur wenig Einfluss ausüben können. Die andere Seite ist die: Es muss sich auch jeder von uns selber, ich mich auch, fragen, ob er - im Rahmen seiner Verhältnisse und Möglichkeiten - genug tut. Das kann nur jeder selber wissen. In unseren hiesigen Kirchengemeinden, dem Ökumenischen Kranken- und Altenpflegeverein oder auch durch den Asylhelferkreis wurde bisher sehr viel getan und wird auch weiter sehr viel getan! Und viele Ehrenamtliche leisten dankenswerter Weise wertvolle Dienste, von denen wir oft gar nichts wissen, die aber den Menschen gut tun.

Ich komme zum Schluss:
„Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne, und nähme an seiner Seele Schaden?“ - Ein Kollege von mir schreibt dazu: „Jesus kehrt die Maßstäbe um. Er propagiert es nicht nur, sondern er lebt es auch vor. Er lebt nicht gegen andere, sondern für andere – und dies bis zur letzten Konsequenz. Er heilt die Kranken, tröstet die Traurigen, richtet die Gebeugten auf und, als Basis dafür: er kennt keine Berührungsängste. Er macht keine materiellen Geschenke, schenkt weder Geld noch Güter, sondern sich selbst. Und er hält uns dazu an, es ihm gleich zu tun, ihm auf diesem Weg zu folgen. Eine enorme Herausforderung, in der Tat. Wir möchten gewinnen und behalten; er rät zum Loslassen und Verlieren. Wir möchten nach oben bzw. an einen Wunschplatz für uns kommen und dort bleiben; er rät dazu, den letzten Platz einzunehmen. Wir machen vor Leid und Tod die Augen zu, soweit es geht; er rät dazu, das Kreuz zu schultern. Wir haben die eigenen Interessen im Blick; er rät dazu, sich selbst zu verleugnen, was ja nichts anderes bedeutet, als von sich selbst nach Möglichkeit abzusehen, seine eigenen Interessen zurückzustellen.“ Soweit der Kollege. Gewiss darf man auch diese Einstellung nicht verabsolutieren und zur Ideologie erheben. Sonst wird sie zu einem tendenziell totalen ethischen Selbstanspruch, der durchaus etwas Gnadenloses und Unmenschliches bekommen kann.

Jesus hatte seinerzeit Menschen vor Augen, denen die Nachfolge mitunter wirklich alles abverlangte, bis zum Verlust des gesamten Vermögens oder gar bis zum Tod. Im Laufe der Kirchengeschichte ist dann aber mit seinen Worten auch mancherlei Schindluder getrieben worden. Das ging sogar so weit, dass man überhaupt keine eigenen Wünsche mehr haben durfte und das ganze Leben ein permanentes Opfer zu sein hatte. Das Leiden wurde geradezu glorifiziert, als sei es in sich etwas Gutes und Wünschenswertes. So hat man Jesus grob missverstanden. Er wollte das Leid der Menschen nicht mehren, sondern mindern; er predigte nicht den Mangel, sondern die Fülle. Nicht von ungefähr ist in seinen Gleichnissen immer wieder vom Feiern die Rede, von Hochzeiten und reich gedeckten Tischen. Jesus selbst hat gerne gefeiert! Aber zugleich wies er darauf hin, dass pure Genuss- und Selbstsucht und unersättliches Gewinnstreben eben gerade nicht glücklich machen, weil sie zerstörerisch wirken und den Menschen vereinsamen lassen. Nicht gegeneinander leben, sondern miteinander und füreinander – das ist es, was Jesus sagen wollte und was er uns auch heute ans Herz legt.

Mit anderen Worten:
Nicht das Materielle und Physische, das Ego und das Haben - Haben, Haben, Haben! - machen uns Menschen reich, sondern das Geistige, eine schöne und gute Seele, die Liebe und eine harmonische Gemeinschaft – idealer Weise.

Ja, Gott, das wollen wir hoffen! Verhilf uns bitte dazu.

Amen.

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