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Ägyptenreise 2019
vom 2. bis 9.5.2019

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mit Pfarrer Johannes Habdank

Montag 28.01.2019,
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Tanzen mit Christa 
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2019: 18.01., 15.02.

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Predigt an Epiphanias, 6.1.2018

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von Pfarrer Peter Morgenroth im Katharina von Bora-Haus
über Offenbarung 21,6 (Gedanken zur Jahreslosung)

1.

Einen guten Rutsch hat man sich nun allenthalben wieder gewünscht. Er ist zur Standardfloskel geworden. Wobei mich dieser seltsame Wunsch schon seit Kinderzeiten sehr verwundert hat. Man will sich doch was Gutes wünschen, warum dann ausgerechnet, dass man rutschen möge in eisigen Zeiten. Ob es keine besseren Wünsche gäbe am Anfang des Jahres?

Diesem seltsamen, sinnlosen Wunsch wollte ich auf den Grund gehen. In einem hebräischen Wörterbuch wurde ich fündig. RUTZ. Das ist das Wort für den Lauf oder den Gang von Menschen. Man wünscht sich also kein gutes Ausrutschen, sondern das Gegenteil: Guten RUTZ! Einen guten Lauf des neuen Jahres, einen aufrechten Gang und ein gutes Gedeihen. So gibt der Wunsch plötzlich einen Sinn. Alles Gute zum Neuen Jahr! Das neue Jahr möge gut verlaufen. Auch für uns. Und dabei möge nichts fehlen. Gesundheit, Erfolg, ein volles Konto, Glück in der Liebe. Was der Mensch eben so braucht hierzulande. Lauter Sternstunden sollten es sein.

Wirklich nur Sternstunden? Jorg Zink, nicht nur für mich einer der wichtigen evangelischen Theologen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, der u.a. das Gesicht der deutschen evangelischen Kirchentage entscheidend mit geprägt hat, sortiert die guten Wünsche anders und beschreibt seine guten Wünsche so:

Ich wünsche dir nicht ein Leben ohne Entbehrung,
ein Leben ohne Schmerz, ein Leben ohne Störung.
Was solltest du tun mit einem solchen Leben?

Ich wünsche dir aber, dass du bewahrt sein mögest an Leib und Seele. 
Dass dich einer trägt und schützt
und dich durch alles, was dir geschieht,
deinem Ziel entgegenführt.

Dass du unberührt bleiben mögest von Trauer, 
unberührt vom Schicksal anderer Menschen, 
das wünsche ich dir nicht.
So unbedacht soll man nicht wünschen.
 

Ich wünsche dir aber, dass dich immer wieder etwas berührt,
das ich dir nicht so recht beschreiben kann.
Es heißt "Gnade".
Gnade ist ein altes Wort, aber wer sie erfährt, für den ist sie wie Morgenlicht.
Man kann sie nicht wollen, nicht erzwingen, aber wenn sie dich berührt, dann weißt du: Es ist gut.

Ich wünsche dir nicht ein Leben ohne Mühe und ohne Herausforderung.
Aber ich wünsche dir, dass deine Arbeit nichts ins Leere geht.
Ich wünsche dir die Kraft der Hände und des Herzens.
Und ich wünsche dir, mit einem alten Wort wünsche ich es; dem Wort "Segen":
Dass hinter deinem Pflug Frucht wächst, Brot für Leib und Seele, und dass zwischen den Halmen die Blumen nicht fehlen.“

Kurz gefasst:
Einen guten Lauf möge also dieses Jahr nehmen, einen guten Lauf, in dem beides kommen darf und willkommen ist - das Schöne und das Schwere - und sich in Segen wandelt.

 2.

 Einen speziellen Beitrag zu diesem Wunsch liefert am Jahresbeginn auch die Jahreslosung für 2018, in der es heißt: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offbg 21,6)

Diese Jahreslosung mit Ihnen heute hier zu bedenken, darauf hatte ich mich eigentlich gefreut. Ich wollte Ihnen ein zauberhaftes Bild vor Augen malen von Wasserverkäufern, purpurrot angezogen von Kopf bis Fuß, von markigen Männern, die sich einen auf Hochglanz polierten Wasserbehälter umhängen und mit einer Schelle auf sich aufmerksam machen. „Wasser! Trinkwasser! Erfrischung! Ein Dirham!“ Ich hätte erzählen wollen vom Jemma el Fna, dem Platz der Gaukler im marokkanischen Marrakesch und seiner magischen Stimmung, wenn die Dämmerung fällt. Aber dann fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass ich hier 2012 in einem anderen Zusammenhang schon einmal bei einem Gottesdienst davon erzählt habe. Und ich wiederhole mich nur sehr ungern. Und so verbieten sich nähere Schilderungen.

Aber jedenfalls sollen Sie wissen, dass es solche Wasserverkäufer seit Jahrtausenden auf den Straßen des Orients gibt und gab. Sie waren schon zu biblischen Zeiten lautstark unterwegs in den Suks und Basaren und Straßen und Plätzen „Wasser! Kauft Wasser! Wunderbar frisches, kühles Wasser!“ Und sie haben ihr Geschäft damit gemacht. Eine Wassermaffia gewissermaßen. Denn Wasser war kostbar. Freien Zugang zu einem Brunnen hatte nicht jeder. Und kostenlos schon gar nicht. Wasser war ein heiß begehrtes und deshalb auch heiß umkämpftes Handelsgut. Um Wasser hat man Kriege geführt. Weil der Zugang zu Brunnen und Quellen lebenswichtig war. Der Wasserverkauf war eine sprudelnde Einnahmequelle. Und der Straßenverkauf von Wasserportionen ein einträgliches Geschäft.

Das ist der historische, kulturelle Hintergrund der Jahreslosung 2018. Sie greift das auf und sie stellt alles spektakulär auf den Kopf:

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst." Wenn man das wort-wörtlich nimmt, dann ist das eine Kampfansage: Schluss mit der Abzocke. Die wichtigsten Ressourcen, die Grundlagen zum Leben müssen allen offenstehen. Wirklich allen. Lebensrecht soll nicht literweise verkauft und erkauft werden. Jeder Mensch soll Zugang haben zu den Quellen des Lebens. Jeder. Keinem soll der Zugang zum Wasser versperrt werden, weil er es sich nicht leisten kann. Damals nicht. Heute nicht.

Umsonst. Erst am 28. Juli 2010 ist das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt worden. Allerdings ist der Beschluss nicht bindend. Und beschließen lässt sich viel: 768 Millionen Menschen haben trotz dieses Beschlusses derzeit keinen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser (Zahl von 2015). Und globaler, katastrophaler Trinkwassermangel deutet sich für 2040 jetzt schon an.

In diesem geopolitischen Problem könnte man die Jahreslosung als Handlungsimpuls für verantwortungsvolle Politik verstehen. Wie gesagt: Eine Kampfansage. Wenn man die Jahreslosung 2018 aber in ihrem Zusammenhang liest, bekommt sie eine ganz andere Bedeutung. Sie ist Teil einer großen Vision einer Welt, die von Frieden und Gerechtigkeit geprägt ist. In dieser Welt wird es nicht mehr Elendshütten neben Palästen geben. Vielmehr steht in dieser visionären Welt ein Zelt neben dem andern. Und Gott zeltet mitten drin. Wohnt Wand an Wand mit Menschen. Zugänglich. Nur durch einen Fetzen Stoff sind Menschen von Gottes Herz getrennt. Nicht mehr fernes unergründbares Weltenrätsel für Philosophen ist er. Sondern zum Greifen nah. Er wird abwischen alle Tränen. Kein Leid, kein Wehklagen, kein Tod. Die Zeit ist nicht mehr. Kein Werden und Vergehen. Die Gesetze der Naturwissenschaft scheinen außer Kraft. Die Schöpfung unter jetzigen Bedingungen ist aufgehoben. Gott macht sich an eine neue Schöpfung. Er wird am Ende der Geschichte stehen. Und er wird alle Tränen abwischen von den Augen der Trauernden. Und er wird den Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst....

Das ist der Zusammenhang, dem die Jahreslosung entnommen ist. Ein großartiges Bild von Frieden und Gerechtigkeit. Ein Hoffnungsbild. Mit diesem Hoffnungsbild wird der verschlossene Horizont aufgebrochen. Es soll nicht alles bleiben, wie es ist. Es gibt Hoffnung. Befreiung ist möglich.
Befreiung aus dem Griff des Unrechts,
Befreiung aus dem Land der Tränen,
Befreiung aus dem Griff des Todes.
Die Quellen des Lebens sollen allen offenstehen.
Unser aller Lebensdurst wird gestillt.

3.

Den Lebensdurst stillen. Beim Versuch, dieses alte Wort „Lebensdurst“ zu umschreiben und so dem Sinn der Jahreslosung näher zu kommen, wollte ich bei Wikipedia nachsehen. Aber interessanterweise hat Wikipedia zurückgefragt, ob ich vielleicht Lebenslust meine. Lebensdurst ist bei Wikipedia nicht bekannt.

Nein, ich meine wirklich Lebensdurst. Das Leben Schluck für Schluck zu sich neben, mit allen Fasern der Seele in sich aufsaugen, Schluck für Schluck genießen, spüren, wie die Erfrischung sich ausbreitet, Kraft wiederkehrt. Spüren, wie die Verzagtheit schwindet und innere Ruhe um sich greift.

Den Lebensdurst stillen. Es lässt sich auch etwas moderner ausdrücken, wenn man von den sprudelnden Quellen des Lebens spricht, wie es schon die Jahreslosung tut:

Die Kraftquellen des Lebens stehen offen. Sie sollen sprudeln. „Na klar!“ sagt der Psychotherapeut und er wird dazu raten, in die Tiefe der Seele zu gehen. Sich vorzutasten zu den Verletzungen und Blockaden und sich dem Spiel der Selbstheilungskräfte anzuvertrauen und neue Schritte zu versuchen.

Die Kraftquellen des Lebens stehen offen. Der Alpenverein wird auf die heilenden Kräfte der Bergeinsamkeit setzen. Da kann man lernen, sich zu bescheiden, kann zur Ruhe kommen in der archaischen Gewalt der Natur. Die Unruhe fällt ab.


Die Kraftquellen des Lebens stehen offen. Die Quelle des Lebendigen liegt in Tanz und Bewegung. Wenn ich mich tragen lasse von den Rhythmen und mich einhülle in die Melodien, tanzt mein Körper aus, was ich sonst nicht auszudrücken vermag, und ich lebe auf.

Die Quelle des Lebens sucht der Ratlose im Gebet. „Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund!“ Und Fesseln fallen ab, die seine Seele gefangen halten.

Die Quelle des Lebens. Für viele ist das Alleinsein die Qual und sie leben auf in der Geborgenheit der Familie und der Freundschaften. Ein gutes Wort, ein Zeichen der Freundlichkeit, eine zärtliche Geste sind ihnen Quelle des Lebens, Kraftquelle. Und dazu gehört der Gottesdienst übrigens auch, wo man mit wohlgesonnenen Menschen das Leben feiert in einer weltumspannenden Familie.

Es scheint viele Kraftquellen zu geben. Sehr individuelle heilsame Orte. Individuelle Rituale, die der Seele wohltun und den Lebensdurst stillen.

Und der Beitrag der Jahreslosung bei der Suche nach seelischer Erfrischung und Kraft ist: Du wirst nicht vergeblich Ausschau halten. Gott selbst wird dem Durstigen von der Quelle des lebendigen Wassers zu trinken geben. Umsonst. Einfach so. Keine Vorleistung. Brauchst nicht darum betteln und nicht dafür zahlen. Genieß es. Ein Geschenk.

Die Jahreslosung verheißt uns, dass uns immer wieder etwas berührt, das wir nicht so recht beschreiben können. Und hier schließt sich der Kreis der Gedanken:
Es heißt "Gnade".

Gnade ist ein altes Wort, aber wer sie erfährt, für den ist sie wie Morgenlicht.
Man kann sie nicht wollen, nicht erzwingen, aber wenn sie dich berührt, dann weißt du: Es ist gut.

Amen.

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