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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Predigt am Sonntag "Misericordias Domini", 15.4.2018

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von Pfarrer Johannes Habdank im Katharina von Bora-Haus

Predigttext: 1. Petrusbrief 5, 1-4

Der Predigttext steht geschrieben im 1. Petrusbrief 5, Verse 1 bis 4:

"Die Ältesten unter euch ermahne ich, Mitältester und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen."

Liebe Gemeinde,

eigentlich wäre das ein wunderbarer Predigttext zur Einführung eines neu gewählten Kirchenvorstands: „Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt ... .“ Aber die Wahlen zum neuen Kirchenvorstand sind erst im Oktober, die offizielle Amtseinführung ein paar Wochen danach, also nicht erst ein halbes Jahr später, aber: bis dahin fließt noch viel Wasser den Lüßbach hinunter, also: selbst den Lüßbach. Gleichwohl sind diese Verse aus dem 1. Petrusbrief schon heute unser Predigttext. Warum? Weil heute, 2 Wochen nach Ostern, der sog. Hirtensonntag ist! Und in allen liturgischen Stücken, vom Wochenspruch bis zum Evangelium, geht es um die, vor allem aber um den Hirten.

In der Bibel kommen Hirten an allen Ecken und Enden vor, es herrscht kein Mangel an ihnen – denken Sie nur an die Erzväter Israels: Abraham, Isaak und Jakob; und an den Hirtenbuben David, der den Riesen Goliath mit seiner Steinschleuder zu Fall brachte! Und dann natürlich die Hirten der Weihnachtsgeschichte, diese verachteten, dubiosen Gestalten, denen der Engel in der Finsternis nicht nur der Nacht, sondern auch ihres eigenen kläglichen Daseins als erstes die frohe Botschaft von der Geburt des Erlösers überbrachte. Und wenn man, heute in Israel, die erbärmlichen Wellblechhütten der Beduinen in der Wüste Juda oder im Negev gesehen hat, angeblich herumvagabundierendes Gesindel, das in der israelischen Gesellschaft einen ziemlich zweifelhaften Ruf als Faulenzer, Sozialschmarotzer, Diebe und Schmuggler genießt – dann gibt das zu denken. Wahrscheinlich kommt dieses in der polemischen Außenwahrnehmung „asoziale Pack“ den Hirten der Heiligen Nacht sehr viel näher als die frommen Märchenfiguren unserer Krippendarstellungen und Krippenspiele. Schon da merkt man, dass das ach so beliebte und in der christlichen Kunst vielfach dargestellte Bild vom Hirten in der Bibel gar nicht so eindeutig ist, wie wir immer meinen. Und wenn Jesus im heutigen Evangelium ausdrücklich von sich selbst als dem „guten Hirten“ spricht, dann hatten er selber und seine Zuhörer mit Sicherheit auch Texte wie den kritischen Kommentar aus dem Propheten Hesekiel im Ohr, wo die Führer des Volkes bezichtigt werden, sich selbst statt die ihnen Anvertrauten weiden, also ihre eigenen Pläne und persönlichen Interessen zu verfolgen, statt sich um die „Schafe“, also die ihnen anvertrauten Menschen, zu kümmern.

Wenn wir gewohntermaßen lesen, was Jesus sagt: „Ich bin der gute Hirte“ – dann ist das eigentlich falsch betont, weil Jesus ja das Negativ-klischee vom Hirten gerade sprengen wollte. Deswegen muss man sinnvollerweise sagen: „Ich bin der gute Hirte“ – das klang damals wie ein Paradox ! – „Ich bin der gute Hirte“, das heißt:
Ich komme nicht, um Euch zu beschwindeln und zu betrügen, sondern Gutes zu bringen. Ich komme nicht, um Euch etwas wegzunehmen, sondern um Euch alles zu geben. Ich komme nicht, um mit Euch abzurechnen, sondern um Euch aufzurichten. Ich komme nicht, um meine eigenen „Schäfchen ins Trockene“ zu bringen, sondern um Euch aus dem Rachen dessen zu retten, der Euch fressen will - und jeder von uns wird einiges wissen, was ihn/uns heute aufzufressen droht: davor will Jesus, der Glaube an ihn, uns bewahren, retten. Ich komme, um Euch zu suchen, zu sammeln und heimzuführen, zum Ziel Eurer Wanderschaft. Ich komme, um das Verwundete zu verbinden und das, was schwach am Boden liegt, zu stärken und zu heilen, um für Euch und zu Eurer Erlösung zu leben und zu sterben.

Liebe Gemeinde, das muss man im Hinterkopf haben, wenn man sich unserem heutigen Text aus dem 1. Petrusbrief nähert, wo den „Ältesten“ – und das ist nicht der Seniorenkreis oder der Ü 100-Club von Dagmar Wagners Film, sondern: der leitende Kreis der Gemeinde, die Presbyter, wie sie auch heute noch in anderen Landeskirchen heißen, – wo also den Ältesten Folgendes ans Herz gelegt wird:
„Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde“, deren Mitglieder ihr zugleich seid. Es geht also um relative Leitungsfunktion.

Nun, das ist nicht einfach eine irgendwie „moralische Ermahnung“ im Sinne von „Das und das macht man nicht, sondern das gehört sich so!“, oder auch im Sinne irgendeiner modernen, dem biblischen Text völlig fremden „politischen Korrektheitsvorstellung“. Sondern diese Worte der Weisung haben etwas damit zu tun, dass es da ein „role model“ gibt, um das neudeutsche Wort zu verwenden, ein „Vorbild“, eine Identifikationsfigur, einen, an dem wir uns orientieren können/sollen, dem wir nachfolgen und nacheifern sollen, und dazu sollen, biblisch so gemeint, heute Kirchenvorstandmitglieder und der Pfarrer als Vorsitzender dieses Gremiums Vorbild sein für die Gemeinde. Letztlich aber nicht wirklich an ihnen, sondern letztlich geht es für alle gemeinsam um Orientierung an der einzig wahren Orientierung an dem Einen, der unser aller „guter Hirte“ ist, der uns beim Namen kennt, nennt und nachgeht, – oder wie es im 1. Petrusbrief heißt: am „Erzhirten; Erzhirte zu sein, das ist noch einmal etwas anderes als „Oberhirte“ zu sein: der Erzhirte ist das Urbild allen Hirtentums schlechthin, unüberbietbar, im Alten Testament als Bild für Gott selbst verwendet, im Neuen auf Jesus bezogen. Und abgeleitet daraus wurde dann seit den Zeiten der frühen Christengemeinden und Kirche die Hirtenvorstellung auch auf gemeindeleitende Ämter bezogen – wir haben es also religions- und entwicklungsgeschichtlich mit einer Art „Demokratisierung der Hirtenvorstellung“ zu tun – von Gott selbst über Jesus Christus hin zu den gemeindeleitenden Ämtern: die Menschen, die gemeindeleitend tätig sind, sollen ihre Aufgaben nicht wahrnehmen und dazu nützen, um zu herrschen, sondern zu dienen, in Freiheit und mit Freude und vor allem: in aller Bescheidenheit und frommer Selbstbegrenzung, nicht um sich aufzuspielen, sondern da zu sein für andere.

Im Grunde müsste dieses Bild im Sinne des Priestertums aller Gläubigen auf alle Christenmenschen ausgedehnt werden: jeder kann dem anderen zum Hirten werden, in persönlicher Zuwendung und Zuspruch und in diesem Sinne als Führung: wenn Du einen anderen Menschen in seiner Krise, seinem Leid, an die Hand nimmst, um ihm weiterzuhelfen, oder allein schon ihm durch dein Dasein und Zuhören zeigst: Ich bin bei Dir, Du bist nicht allein.

Alle sind Hirten für alle? Ein schönes Ideal im Sinne des Priestertum aller Gläubigen und gutes Leitbild, dass wir alle einander helfen und füreinander da sind. Aber: für eine Gemeindestruktur und –organisation taugt dieses Modell eher wenig, weil: wenn alle gleichermaßen leiten und von allen geleitet werden - das gibt Chaos. Das ist für eine Organisationsstruktur unbrauchbar. (Nebenbemerkung: Genauso wie etwa das sozial-philosophische Modell des herrschaftsfreien Diskurses von Jürgen Habermas für eine Massengesellschaft, ja selbst auch kleinere Gruppen, höchstens ein schönes realitätskritisches Ideal und Korrektiv sein kann, aber als tatsächliches Aufbauprinzip einer realen Gesellschaft realitätsfremd ist, oder milder gesagt: einen gewissen utopischen Überschuss enthält.)
  
Das frühe Christentum, obwohl erst rein vom Osterglauben und vom Pfingstgeist getrieben, hat sehr bald sich Strukturen in Form von Ämtern gegeben, jeder nach seinen Geistesgaben. Geistesgaben, das war sozusagen Link vom Geist zum Amt. Warum? Weil es gar nicht anders ging. Alfred Loisy, ein französischer katholischer Reformtheologe, der seinerzeit als „Modernist“ lehramtlich verurteilt wurde, hat vor über 100 Jahren gesagt: „Jesus verkündigte das Reich Gottes, was kam, war die Kirche!“ - Er meinte das positiv: es mussten Strukturen und Institutionen, Ämter entwickelt werden, sonst wäre das Christentum bald wieder in der Versenkung verschwunden. Denn nur und allein vom Geist kann keine Gemeinschaft leben, der Geist muss Formen annehmen.

Daher gibt es seit dem frühen Christentum einige gewählte und / oder berufene Gemeindevertreter, Männer und Frauen, die die besondere Verantwortung der Gemeindeleitung übernehmen, und zwar mit der sie dazu befähigenden und tragenden Einstellung, dass es nicht um sie selber geht, sondern um den Dienst an der Gemeinde, nochmal: in Freiheit und mit Freude und vor allem in aller Bescheidenheit und frommer Selbstbegrenzung, nicht um sich aufzuspielen, sondern um da zu sein für andere. Aus dieser Grundhaltung heraus für die Gemeinde zu wirken, darum geht es, damals wie heute. Und wer mitmachen will, am 21. Oktober sind Kirchenvorstandwahlen, bitte bewerben Sie sich! Wir haben inzwischen 10 Kandidaten, melden Sie sich bitte beim Vertrauensausschuss, Leitung Florian Gehlen, oder bei mir in den nächsten Wochen noch.

Ich komme zurück zu Hirte und Schaf, liebe Gemeinde!

Was ich mich schon immer gefragt habe bei dem Bild von dem Hirten und den Schafen, die ja dann auch oft nur ein namenloser Teil einer großen, einträchtigen Herde, die aber auch eine anonyme Masse sein können - erst Jesus hat Wert darauf gelegt, proklamiert und auch vorgelebt, dass es darum geht, sich um jedes einzelne zu kümmern, im Zweifelsfall vorrangig um das Verlorene – also, was ich mich auch heute noch frage, Sie und Euch alle auch anlässlich des heutigen „Hirtensonntags“:
Wer will bitte schon Schaf sein? Sie vielleicht? Ich nicht. Du?

Nun, das Schaf kommt in unserem Jargon und manchen Redensarten nicht gerade gut weg: denken wir nur an die Verunglimpfung: „Du dummes Schaf“, „du blöde …“ ah, nein, das ist ja dann die Kuh … Aber: „So ein Schafssch …!“ Das Schaf hat kein gutes Image in unserer herkömmlichen Sprache: Ausdruck von Dummheit, Mangel an eigenem Willen; „Schafsgeduld“ steht für passiv-hinnehmendes Verhalten, so wie beim Esel, da heißt es dann „Eselsgeduld“, aber wer will schon ein Esel sein? Dann doch lieber Schaf! Aber sein „Mäh“ klingt jetzt auch wieder nicht sonderlich intelligent, woher auch? Womit auch? Wer also will schon Schaf sein? Als Mensch?

Martin Luther hat in seinen vielen kleineren und größeren Kommentaren zu unserem heutigen Evangelium, dem Schaf etwas Positives abgewonnen, in guter biblischer Tradition, wie aus dem JohEv vorhin gehört: „Meine Schafe hören meine Stimme“. Das hat Sören Kierkegaard später kongenial aufgenommen, er sagt: Die Schafe haben ein ganz besonderes Gehör für die Stimme ihres Hirten, sie können in besonderer Weise die Stimme ihres Hirten von anderen Stimmen unterscheiden. Sie sind mit diesem ihrem besonderen Hör-Sensus auf die Echtheit seiner Stimme und ihre Unverwechselbarkeit gestimmt, sind auf ihn genau abgestimmt, letztlich zu ihrem Wohl und Heil, wie Kierkegaard im Jahre 1850 zum heutigen Tagesevangelium geschrieben hat. Also, das ist das Entscheidende an dem Bild vom Schaf und dem Hirten: dass das Schaf in außergewöhnlichem Maße diese Gabe hat, seinen Hirten jederzeit an seiner Stimme zu erkennen, ihn zu identifizieren, ihm zu vertrauen, ihm zu folgen. Es erkennt ihn, wie es von ihm erkannt ist.

Das erinnert mich an die paulinische Formulierung aus dem 1. Korintherbrief, Hohelied, wo es heißt: „Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Das ist edelstes, durchaus reflektiertes, geschliffen formuliertes, frommes „Schaftum“ im Glauben, wenn ich das am „Hirtensonntag“ einmal so nennen darf.

Ich schließe mit einer literarisch-religiösen Betrachtung von Sören Kierkegaard zum Hirten und zum Schaf, einem schönen, erbaulichen Trost-Bild, das er gemalt hat, aus alter Zeit, für heute: 
„Ein Hirte! Hier im Tal am Fuße des Berges, da wohnt der Hirte. Stilles, einförmiges, idyllisches Leben. Ländliche Unschuld. Hier wohnt der Hirte, gekannt von den Schafen, wenn auch nicht von ihnen verstanden, so doch von ihnen geliebt; und so wie sie Nahrung und Quellwasser nötig haben, so bedürfen sie doch eines weiteren: die Stimme des Hirtens zu hören, den guten, den treuen Hirten, dessen Stimme sie vor jeder Gefahr beschützt; und wenn sie unbeabsichtigt in Gefahr geraten, so würde bloß dies, seine Stimme zu hören, ihnen Hoffnung geben, er der gute Hirte, der sein Leben einsetzt für die Schafe.“ (Sören Kierkegaard, 1850)

Amen. 
Gott helfe uns allen, seine Gute-Hirten-Stimme zu vernehmen. Amen.

 

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