Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Datenschutzerklärung


Anmeldung / Abmeldung
Newsletter



Online Anfrage für
Taufe oder Trauung


Gemeindebrief

mit Einzelseiten zum Download


 Kirchenvorstands-
sitzungen
im 2. Halbjahr 2018

09.07., 17.09., 15.10.

jeweils 20.00 Uhr


Familien- und Kindergottesdienste

22.07., 02.12.


Theologie für die Gemeinde
mit Pfarrer Johannes Habdank

Montag 22.10., 20.00 Uhr


Offenes Tanzen 

Tanzen mit Christa 
für Jung und Alt

20.07., Aug. entfällt, 21.09., 19.10.

  jeweils Freitag, 20.00 Uhr


 





Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Predigt am 3. Advent, 17.12.2017

Aktuell >>

von Pfarrer Peter Morgenroth im Katharina von Bora-Haus
über Offenbarung 3,1-6

Ich kenne deine Werke: Du hast den Namen, dass du lebst und bist tot.
Werde wach und stärke das andere, das sterben will; denn ich habe deine Werke nicht als vollkommen befunden vor meinem Gott.
So denke nun daran, wie du empfangen und gehört hast, und halte es fest und tue Buße! Wenn du aber nicht wachen wirst, werde ich kommen wie ein Dieb, und du wirst nicht wissen, zu welcher Stunde ich über dich kommen werde.

„Bin ich Krösus?“ pflegte mein Vater zu sagen, wenn meine Wünsche seinen finanziellen Rahmen sprengten. Krösus, so habe ich als Kind verstanden, musste ein steinreicher Mann gewesen sein, der Geld hatte wie Heu. Der konnte sich alle Träume erfüllen.
Inzwischen weiß ich es besser: Ein antiker Herrscher war Krösus, schon um 550 vor Christus gestorben. Schnell war er an die Macht gekommen, schnell wieder aus der Geschichte verschwunden. Seine Hauptstadt war Sardes an der heutigen türkischen Westküste. Etwas im Hinterland gelegen.

Dieses Sardes war über Nacht reich geworden. Die strategische Lage an der Fernstraße aus Persien ließ den Handel aufblühen. Doch eine Generation später war die Pracht schon dahin. Die Stadt war zum Provinznest verkommen. Und im Dornröschenschlaf versunken.

Im Dornröschenschlaf erstarrt waren auch die Christen dieser Stadt, 650 Jahre nach diesem Krösus. Bleierne Müdigkeit lag auf dieser Gemeinde. Vorbei die Aufbruchsstimmung der ersten Begeisterung. Ausgeträumt die Hoffnung auf eine bessere Welt. Bürgerliches Mittelmaß. Nichts Beflügelndes mehr. Nur noch Trägheit. Nichts Neues im Leben. Man lebt halt schlecht und recht, so gut man eben kann. Mehr nicht. Stumpf und miefig scheinen die Christen von Sardes gewirkt zu haben. Ein verschlafener Haufen. Gelähmt. Starr. Innerlich tot.

„Innerlich tot“ - zu diesem Urteil kommt zumindest der Seher Johannes. Das ist ein vernichtendes Urteil. Als Jugendlicher fand ich das toll, dass einer den Christen den Spiegel so unverblümt vorhalten konnte. So ins Gesicht schleudern, dass sie ausgebrannt sind. Sich gar nicht mehr von der Umgebung unterscheiden. Die Christlichkeit als bürgerliche Fassade. Ich fand das toll, dass dieser Johannes Menschen aus der Totenstarre aufrütteln wollte. Tot oder lebendig. Schwarz oder weiß. Hü oder hott. Das hat mich einmal sehr angesprochen. Aber so zu denken, ist ja auch das Vorrecht der Jugend.

Allerdings ist Johannes alles andere als ein jugendlicher Hitzkopf. Er ist steinalt, als er den Brief an die Sardesianer verfasst. Er hat sein Leben schon hinter sich und muss nun miterleben, wie die aufblühenden Gemeinden in Kleinasien überall mit Repressalien niedergehalten werden. Es ist ungesund, sich als Christ aus dem Fenster zu hängen und irgendwie auffällig zu werden. Am besten lebt man die bürgerliche Existenz, macht, was alle machen. Nur nicht auffallen. Mitschwimmen ist angesagt. Es muss ja nicht jeder gleich ein Märtyrer sein.

Den Seher Johannes scheint eine solche vorsichtig abwägende Argumentation aber nicht sonderlich zu beeindrucken und nachsichtig zu stimmen. Muss es auch nicht. Weil er eh schon auffällig geworden war. Aber an diesem wohl hundertjährigen Greis wollte man sich die Finger nicht mehr schmutzig machen. Nur seinem Alter und Ansehen hatte er es zu verdanken, dass man ihn nicht einen Kopf kürzer machen ließ. Er war verschleppt worden und auf der Patmos interniert, 60 Kilometer vor der kleinasiatischen Küste zwischen Samos und Kos. Von dort würde er nicht mehr wegkommen. Aber schreiben konnte er von dort. An seine Gemeinden auf dem Festland. Und eine davon war Sardes.

„Ihr habt den Namen, dass ihr lebt und seid tot. Ihr pennt vor euch hin!“ Ob die Sardesianer einen roten Kopf bekommen haben, als sie das in dem an sie adressierten Brief gelesen haben? So wie in der Schule, wenn man vom Lehrer beim Träumen erwischt wird.

Wenn ich das heute höre und auf mich beziehe, neige ich jedenfalls immer noch dazu, den Kopf einzuziehen und ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Es stimmt ja leider. Vieles ist halbherzig – immer noch. Nicht ganz tot, aber auch nicht ganz lebendig. Auch in meinem Leben. Als glühenden Fanatiker stufe ich mich jedenfalls nicht ein. Versuche als Christ zu leben, so gut ich’s vermag. Und mein Leben ist nicht schwarz oder weiß, sondern farbig und bunt, mal hell und mal düster, mal so und mal so. Das musst du doch einsehen, Johannes! Für Höchstleistungen sind wir nun mal nicht geschaffen. Deine vernichtende Kritik hat etwas Unmenschliches.

"Wacht auf, die ihr schlaft, von den Toten! Ich bleibe dabei“, schreibt Johannes. „Nicht weil ich euch beschämen will. Sondern weil ich euch lieb habe. Und ich muss es euch sagen; denn der auferstandene Christus steht vor der Tür. Irgendwann. Unerwartet. Wie ein Dieb in der Nacht."

„Ein Dieb. Bei uns? Was soll er da holen? Wir haben doch nichts.“ Und plötzlich wandelt sich die herbe Kritik zu einem wunderbaren Komplimentes: „Ihr schlafenden Christen von Sardes, habt ihr vergessen, wie wertvoll ihr seid?
Euer Leben.
Euer Glaube.
Eure Hoffnung.
Jeder einzelne von euch ist ein Schatz.“

Für uns Heutige erscheint der christliche Glaube oft wie ein kompliziertes Geflecht undurchschaubarer Lehren. Aber eigentlich ist der Glaube der Christen nur eine ganz einfache Überzeugung. Die Überzeugung, dass der lebendige Christus vor mir steht. Er schaut mich an und sagt: "Du bist wertvoll. Bist ein Schatz. Sollst mir nicht verloren gehen. Vergiss es nicht!"

Das war die Botschaft von Jesus. Das hat er zu den Sündern gesagt, zu den Outlaws, zu den Ausgegrenzten, zu den Verzweifelten, zu den Suchenden, zu den Armen. Ihnen hat er gezeigt, wie wertvoll sie sind. Dafür ist er geboren. Dafür hat er gelebt. Dafür wurde er selbst ausgegrenzt. Dafür hat er sich hängen lassen.

"Ich bin ein Schatz", wer das in sich aufnehmen kann, wird innerlich wachsen. "Ich bin ein Schatz": Wer sich davon berühren lässt, wird in seiner Seele gesund. Dann entschärft sich der verbissene Kampf um Anerkennung in den starken Jahren des Lebens. Und wenn die Kräfte schwinden und das Leben verwelkt, gilt immer noch: Ich bin ein Schatz! Daran halte ich fest, und das tut gut!

Wach auf. Reib dir die Augen und halte fest, was du oft schon gehört hast.

Dass Gott sich in der Gestalt eines hilflosen Kindes als gütiger Mensch zeigt, das haben wir oft schon gehört. Es ist nichts Neues, was wir an Weihnachten feiern. Und wir haben oft und oft gehört, dass dieses Kind – erwachsen geworden - viele zur Güte anstecken in seinem kurzen Leben. Weil er sie beachtet hat. Beachtet und geachtet. Er hat Unberührbaren Beachtung geschenkt und Hilflosen, Ausgegrenzten und Fremden. Und ihnen Hochachtung entgegengebracht. Damit hat er ihr Leben verändert und eine neue Farbe der Hoffnung in die Welt gebracht.

Wach auf. Reib dir die Augen und halte fest, was du oft schon gehört hast.

Ach, dass wir doch von dieser Grundeinstellung des Jesus von Nazareth angesteckt werden und gütig sein könnten! Gütig mit uns selbst und mit anderen. Mit Freunden und Feinden und auch mit Fremden. Mit Ausgegrenzten und Hilflosen. Auf sie achten. Hochachtungsvoll.
Das könnte die Welt ein bisschen verändern. Oder soll ich sagen „entscheidend“ verändern. „Grundlegend“ verändern.

Wach auf. Reib dir die Augen und halte fest, was du oft schon gehört hast.

Ein unscheinbares Kurz-Filmchen aus dem Polen der 80iger Jahre bringt es auf den Punkt: Ganz laienhaft gedreht. Keine Dialoge. Nur einmal kommt Kinderlachen auf. Keine große Kulisse. Ein kleiner Jahrmarkt schlägt seine Zelte auf. Irgendwo auf der Wiese. Eine Schießbude. Ein Animateur. „Kinder, kommt nur. Schießt.“ Er drückt zögerlichen Kindern sein Luftgewehr in die Hand. Kommt, schießt! Papier-Blumen. Er steckt immer neue Motive für die Luftgewehre auf. Die Kinder haben ihren Spaß dabei. Dann wird eine Mutter mit Kind als Ziel angeboten. Nein, das nicht! Die Kinder weigern sich. Auf Menschen schießen sie nicht. Sie greifen erst wieder zum Gewehr, als Mutter und Kind ein Schild umgehängt wird. Ein Schild mit fünf Buchstaben: „Feind“. Ach Feinde! Da fallen die Hemmungen. Sind ja nur Feinde.

Wach auf. Reib dir die Augen und halte fest, was du oft schon gehört hast.

Nämlich dass aus keinem Menschen ein Feindbild gemacht werden darf. Dass das Fest der Güte allen gilt. Den Freunden und den Feinden. Die Rücknahme der Projektion ist das Gebot der Stunde. Barmherzigkeit gilt allen. Und Barmherzigkeit sollte nicht als naiv denunziert werden. Ich bin ein Schatz. Und andere sind es auf ihre Weise auch. Das gehört zum Wesen des christlichen Glaubens. Den sollten wir uns nicht aushöhlen lassen.

Zurück

 

Evangelische Termine in Bayern

Aktuelle Nachrichten

16.09.2018 - Gottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank in St. Johannes, Berg

weiter lesen


Kunstwerk des Monats September am 12.09.2018

mit Noah Cohen aus Dießen

weiter lesen


19.08.2018 - Gottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank in St. Johannes, Berg

weiter lesen


Familiengottesdienst am 8. So. nach Trinitatis (22.07.2018) -- "Die Sonnenblume"

mit Pfarrer Johannes Habdank und Team im Katharina von Bora-Haus

weiter lesen


Kunstwerk des Monats (Juli und August) am 11.07.2018

mit Marlies Beth aus Berg und Julius Wurst aus Pöcking

weiter lesen


Seniorenkreis am 10.07.2018

Ausflug zum Kloster Wessobrunn

Bilder


08.07.2018 - Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank in St. Johannes, Berg

weiter lesen