Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Predigt am 15. So. nach Trinitatis, 24.9.2017

Aktuell >>

von Pfarrer Johannes Habdank im Katharina von Bora-Haus über Lukas 18,28-30
(Konfirmandeneinführung)

Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Was kostet das Himmelreich, liebe Gemeinde? Es kostet Haus, Frau, Brüder, Eltern, Kinder!? Sie sollen wir verlassen um des Reiches Gottes willen? Ist das die göttliche Forderung, all das zu verlassen, was uns lieb und teuer ist?

Das Haus verlassen? Das ginge ja vielleicht noch, auch wenn es einem sehr schwer fallen würde, Eigentum / Besitz aufzugeben oder wenigstens den Nutzen davon zu verlieren.

Die Eltern verlassen: das fällt vielen heute leichter als damals, als im Großfamilienverbund die Kinder ja die Altersversicherung für die Eltern waren und hohe soziale Verantwortung für sie trugen, und zwar viel unmittelbarer, persönlich-menschlich direkter als heute über das vergleichsweise anonyme Umlagesystem der Rentenversicherung. Jesus sagt einmal sinngemäß: „Wer sind meine Eltern, mein Vater, meine Mutter? Meine wahren Verwandten sind die, die wie ich an meinen Vater im Himmel glauben, und damit mir anhängen!“ Die Jesusgemeinschaft der Gläubigen, das sei die wahre Familie!

Frau oder Mann verlassen, und damit ggf. auch die gemeinsamen Kinder – das ist heute bei uns oft der Fall, weil sich inzwischen 50 % der Eheleute nach ca. 10 Jahren Ehe scheiden lassen, also Frau oder Mann verlassen ist bei uns sowieso schon oft der Fall – aber um des Himmelreiches willen doch nicht! Da spielen andere Faktoren eine Rolle.

Was kostet das Himmelreich oder auch das Reich Gottes? Die beiden Wörter bedeuten übrigens dasselbe, weil „Himmel“ nur ein anderes Wort für Gott ist. Das hat also nichts mit dem Himmel da oben zu tun, sondern meint die göttliche Sphäre um uns und in uns, soweit wir leben, wie Gott es will und er unsere Herzen, unseren Willen bestimmt.

Was kostet das Himmelreich? Diese Frage wurde angesichts unseres heutigen Predigttextes, und aus ihm abgeleitet, gerne gestellt in der kirchlichen Tradition. Warum war das überhaupt ein Thema? Weil viele Jahrhunderte die Hauptsorge des menschlich-christlichen Lebens genau dieser biblischen Hauptsorge und –frage galt: Wie komme ich in das Himmelreich, wie kann ich das ewige Leben ererben oder erwerben? Was muss ich tun, wie muss ich mich verhalten, wie muss ich leben?

Und da ging es eben lange Zeit nur so, dass man sich von allem, was einen irdisch bindet, lossagen sollte, ganz im Sinne der biblischen Jünger-Nachfolge. Und dann sei einem das Himmelreich sicher, zumindest näher: also zum Beispiel, wenn man ins Kloster ging, wie Luther ja auch erst meinte, oder im Zölibat lebte, der ja immer noch wichtiger Punkt nicht nur für Ordensleute, Frauen und Männer, also Nonnen und Mönche, sondern auch für Priester ist - also gar nicht erst zu heiraten, um dem Himmelreich näher zu sein, sein zu können. Also alle irdisch-weltlichen Bindungen kappen, um sich ganz auf Gott und Jesus Christus zu konzentrieren, das allein lohnt sich, nicht in Geld oder irdischem, weltlichen Nutzen, sondern bei Gott. Also: eine Belohnung der anderen, höheren Art ohne Ende!

Wie heißt es? „Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wiederempfange in dieser Zeit, und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.“

Diese Worte kann man eigentlich heute nicht mehr wörtlich als Direktive für unser jetziges Leben nehmen. Freilich, Jesus hat diese Worte zu seiner Zeit auf seine Jüngerschaft zugeschnitten und natürlich ganz wörtlich so gemeint, als es ihm am Anfang darum ging, eine eigene Glaubensbewegung zu gründen, mit der er ja dann auch durch die Lande zog, also mit etwa 12 - 70 Anhängern. Aber diese Umstände von damals sind nicht mehr die von heute: da geht es nicht mehr ums Haus und Familie verlassen, um Jesus buchstäblich hinterherzulaufen, eigentlich schon seit Jesu Tod am Karfreitag nicht mehr. Nein, heute geht es darum, sein Gedankengut, seine Moral, seinen Glauben zu teilen, und in seinem Geist zu leben, und das in einer top-modernen Welt – mit ihren Followers im digitalisierten Umfeld, in den virtuellen Welten.

Was kann Jesu Forderung vom Verlasen heute bedeuten? Dass wir etwa Weltverächter sein sollen als Christen, also dass wir geringschätzen sollen, was normalerweise anderen Menschen und uns selber in diesem Leben etwas gilt und wert ist? Vor allem Materielles, also doch auch Geld und Wohlstand: mein Haus, mein Pferd, meine Pferdestärken (SUV), Karriere, Prestige, Yacht, moderne Medien und Digitalisierung usw., auch gutes Beziehungsumfeld? Gute Noten, Leistungen aller Art, so wichtig sie sind. Ist das gemeint?

Ja, das ist gemeint, und zwar in einem ganz bestimmten Sinne: dass von dem allen, nicht unser seelisches Wohlergehen, unser Glück und unser Lebenssinn abhängen sollen. Wir sollen uns davon nicht abhängig machen und versklaven lassen. Sondern innerlich frei sein davon, unverkrampft damit umgehen, also, wie Paulus einmal gesagt hat: „haben, als hätte man nicht“, nochmal: Haben, als hätte man nicht. Damit man dann nicht in ein Loch fällt, wenn man einmal tatsächlich „Nicht hat“, also etwas in diesen ganzen Belangen schief- oder verloren geht. Nein, auch dann noch und dann vielleicht erst recht ganz gelassen und unbesorgt leben. Damit das Weltliche, an das man sich zu sehr gebunden hat, einem nicht zur Hölle wird. Haben, als hätte man nicht: Also das Leben, auch seinen Wohlstand, so er einem denn gegeben ist, auch genießen, aber auch gerne mit anderen teilen, weil er zwar schön, nicht aber seligmachend ist. Und unbesorgt leben, wie es Jesus in der Bergpredigt, vorhin als Evangelium gehört, gesagt hat in seiner Rede von den Vögeln unter dem Himmel und den Lilien auf dem Felde: unbekümmert leben in dem Gottvertrauen, dass nicht wir selber es letztlich sind, die für uns sorgen und uns mit unserer Sorge uns dauernd einen abkrampfen und abquälen müssen, sondern: ein Höherer als wir alle zusammen, Gott selbst sorgt für unser Leben, vom Anfang bis zum Ende und darüber hinaus. Das zu merken, das wäre ein wichtiges Ziel auch dieses Konfirmandenjahres.

Was kostet das Himmelreich? Liebe Gemeinde, eigentlich nichts, denn nach evangelischer Auffassung ist dieses Gottvertrauen, die Unbesorgtheit als Lebenshaltung und die alles Menschliche relativierende Gelassenheit etwas, was uns gegeben ist, eine Gabe, ein Geschenk des Himmels, also Gottes. Vielleicht „kostet“ es uns aber doch etwas, etwas ganz Kleines, ein ganz Weniges: jeden Tag ein paar Minuten, einen Augenblick der Besinnung, dass das so ist. Nimm dir also Zeit, lieber Mensch, immer wieder, um wahrzunehmen, was Dir Gutes gegeben ist, und konzentriere dich auf das Gute, das Du jeden Tag erfahren kannst. Es wird dir dann wichtiger sein als alles andere.

Dann geht es Dir gut, dann kannst Du frei und unbesorgt deinen Tag, deine Jahre leben – von Früh bis Abend, vom Anfang bis zum Ende!

Ende. Amen.

Fotos vom Gottesdienst mit Konfirmandeneinführung in der Bildergalerie.
 

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