Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Heiligabend 2017 Christvesper

Aktuell >>

mit Predigt von Pfarrer Johannes Habdank in der Pfarrkirche Aufkirchen

Lesung der Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 (in 3 Teilen mit Bläsermusik dazwischen)

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank (mit einrahmender Bläsermusik)


Fotos von der Christvesper sind in der Bildergalerie abgelegt.

 

Liebe Heiligabendgemeinde,

wie kann man nur Weihnachten feiern angesichts einer Welt, die so voller Unfrieden ist: über 400 Konflikte registrieren auch für dieses Jahr wieder die einschlägigen Forschungsinstitute in Heidelberg und Hamburg, davon je nach Definition und Zählweise ca. 20 bis 40 handfeste, schwerst bewaffnete Kriege mit jeweiliger Regierungstruppen-Beteiligung, dann noch viele Bürgerkriege und Straßenschlachten, von den Terroranschlägen weltweit ganz zu schweigen, ebenso von den vielen schwelenden Konfliktherden, von denen wir kaum etwas erfahren. Und schließlich die immer häufigeren Naturkatastrophen, die Länder und Menschen auf einmal ereilen - immer mehr vom Menschen mit verursacht. Wie kann man da Weihnachten feiern?

Der Kosmonaut Alexander Gerst hat einmal aus dem All gesagt, dass er überwältigt sei, wie schön die Erde aussehe, aber auch wie klein sie sei im Blick auf das Universum, und von welch einer zerbrechlichen Atmosphäre umgeben. Und wenn man dann wisse von den Kriegen und der ganzen Umweltentwicklung und -verschmutzung, die die Erdenbewohner, also wir Menschen, anrichteten, dann sei das eine völlig unverständliche Sache! Es sei schließlich die einzige Erde, die wir hätten. So der Kosmonaut. Das Wort Frieden kam ihm gar nicht erst in den Sinn und mit keiner Silbe über die Lippen. Und es wäre ja auch Schönfärberei und Heuchelei, wenn man mit Blick auf die Welt und ihre Menschen von Frieden reden würde. So!

Nun wird ja Weihnachten gerne u.a. auch als das Fest des Friedens gepriesen und angepriesen. Und das Friedenslicht aus Bethlehem, das auch dieses Jahr wieder zu uns gekommen ist, steht symbolhaft dafür.

Gerade Bethlehem, wo der Geburtsort Jesu verehrt wird, stand in den letzten Wochen unter dem Eindruck gewaltsamer Auseinandersetzungen. Aufgrund der Jerusalem-Entscheidung des amerikanischen Präsidenten kam es neuerdings wiederholt zu Straßenschlachten in der Stadt und im umliegenden Land. Noch von Jerusalem aus waren dunkle Rauchsäulen über Bethlehem zu sehen; Autoreifen brannten, Steine flogen. Die israelische Armee antwortete mit Tränengas und Gummigeschossen, es gab auch Todesopfer. Zeitweise wurde sogar erwogen, die Weihnachtsfeierlichkeiten ganz abzusagen. Und auch wenn es mittlerweile ein wenig ruhiger geworden ist, sind die Folgen offenkundig: Viele Touristen bleiben in diesem Jahr und b.a.w. Bethlehem und Jerusalem fern. Zahlreiche Länder haben Reisewarnungen ausgesprochen – fatal für den Handel und die Hotelbetriebe auf beiden Seiten. Bethlehem ist im Jahr 2017 nach Christi Geburt alles andere als eine Stadt des Friedens. Die Welt zeigt sich tief besorgt. UN-Sicherheitsrat und die Vollversammlung befassen sich jetzt mit diesem Fall des Unfriedens. Wie diese Krise sich weiter entwickeln wird, ist ungewiss.

Nein, liebe Gemeinde: Bethlehem ist auch wieder in diesem Jahr keine Stadt des Friedens. Aber: Wann war es das in den letzten Jahren schon einmal? Bereits der rein optische Eindruck ist für jeden Besucher ernüchternd. Wer heute dorthin kommt, der sieht im Norden die gewaltige israelische Sperranlage, die mit einer bis zu acht Meter hohen Mauer Bethlehem von Jerusalem trennt. Der sieht „Aida“, das große palästinensische Flüchtlingscamp, eine Stadt mit 35.000 palästinensischen Flüchtlingen, immer wieder ein Unruheherd. Und der sieht schwerbewaffnetes Militär auf den Straßen, angewiesen, jeden Aufruhr sogleich im Keim zu ersticken. Israel argumentiert wie immer mit seinen Sicherheitsinteressen und dem Schutzbedürfnis seiner Bevölkerung, und tatsächlich gibt es ja auch immer wieder Terrorakte gegen Militär und Zivilisten. Frieden geht anders, aber wie, bitte?

Wer nun denkt, zumindest früher, zur Zeit Jesu, sei es beschaulich zugegangen, der irrt. Wir haben soeben die Geburtsgeschichte aus dem Lukasevangelium gehört. Ihre sprachliche Schönheit darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Szenerie im Grunde alles andere als romantisch ist. In der Erzählung geht es um ein Ehepaar, das vom Steuerdiktat eines römischen Herrschers zu einer beschwerlichen Reise gezwungen wird. Es geht um Fremdherrschaft und Willkür. Es geht um Nachtarbeiter auf offenem Feld, die unter großen Mühen und Entbehrungen für ihr kärgliches Auskommen sorgen müssen. Es geht um die verzweifelte Suche von Menschen nach einem Obdach für die Nacht. Und es geht um die Niederkunft einer jungen Frau zu mitternächtlicher Stunde in einem elenden Viehstall. Keine helle, sondern eine dunkle Welt, die uns die Geburtsgeschichte vor Augen führt. Und nur derjenige, der ihre tiefe Dunkelheit nachempfindet, kann auch das rechte Gespür für das Licht entwickeln, das über ihr liegt. Wir wissen es ja aus eigener Erfahrung: Je dunkler die Tage und Verhältnisse sind, desto mehr sehnen wir uns nach dem Licht, desto eher sind wir dafür empfänglich.

Diese uralte Sehnsucht, die in uns allen steckt, hat ihren Ausdruck in einer Vision des Propheten Jesaja gefunden. Der Prophet schreibt:

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihres Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ist auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Immer schon, liebe Gemeinde, haben Christen diese Prophezeiung des Jesaja auf die Geburt Jesu bezogen. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ War das nicht ein Hinweis auf Jesus und den Stern von Bethlehem? „Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude.“ Ließ das nicht an den Jubel der himmlischen Heerscharen und an den Ruf des Engels denken: Siehe, ich verkündige euch große Freude? „Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter.“ Musste damit nicht Jesus gemeint sein?

Nein, musste es, offen gestanden, nicht. Als Jesaja im achten vorchristlichen Jahrhundert seine Vision entfaltete, stöhnte das jüdische Volk unter dem Joch der assyrischen Großmacht. Der Prophet kündigte einen König an, der sein Volk von diesem Joch befreien werde, einen irdischen Herrscher also, der für Frieden und Gerechtigkeit im Land sorgen werde. Wahrscheinlich hat er damit den späteren König Hiskia gemeint. Ganz im Stile des alten Heerführers Gideon, der Jahrhunderte zuvor mit ein paar Hundertschaften das Volk der Midianiter besiegt hatte. Einen solch starken Mann hatte Jesaja im Blick; darum auch die Würdenamen „Gott-Held“ und „Friede-Fürst.“

Ja, auch damals schon lagen Krieg und Frieden nah beieinander, wurde vom politischen Freiheitshelden und Friedensbringer geträumt, visionär geredet. Jesus, dessen Geburt wir heute gedenken, entsprach dieser Wunschvorstellung aber gerade nicht, und er wollte das auch gar nicht. Er war kein politischer Befreier, kein Held im landläufigen Sinne, und die römische Fremdherrschaft tastete er nicht an. Er war ein König von anderer Art. Ein König, der nicht Städte befreien wollte, sondern, wenn man so will, Herzen erobern. Der nicht das Schwert führte, sondern seine Stimme erhob – zugunsten der Schwachen, der Kranken, der Benachteiligten, der Ausgegrenzten, aller, die irgendwie nicht dazugehörten im Judentum seiner Zeit. Der allein und ausschließlich auf die verwandelnde Macht der Liebe setzte, der Gottesliebe und der Nächstenliebe. Und der eben auf diese Weise den Menschen, die im Dunkeln wandelten, Licht und Hoffnung gab.

Zurück zum Propheten Jesaja und seinen Worten für heute: Er verkündet positiv und im Sinne eines Heilsversprechens eine Art Messiasgestalt, versehen mit den Ehrentiteln „Wunderrat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst, auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende …“.

Etwa 100-150 Jahre später haben die Propheten Jeremia und Ezechiel solche Heilsprophetie scharf kritisiert als oberflächliche Schönfärberei und Volksverführung: solche positiven Heilspropheten, so Jeremia, „heilen den Schaden meines Volkes nur obenhin, indem sie sagen: Friede! Friede!“, und ist doch nicht Friede. Ebenso Ezechiel: „Sie verführen mein Volk und sagen: >„Friede!“, wo doch kein Friede ist<.

Liebe Gemeinde, wie ist es bei uns, bei Ihnen um den Frieden zu Weihnachten bestellt? Können Sie dem Friedensversprechen von Weihnachten wenigstens an Weihnachten trauen? Wird da der Friede Realität oder halten Sie ihn für eine schönfärberische Ideologie? Wenn Sie an ihn, wenigstens an Weihnachten glauben: Ist er dann da, der Friede, oder haben Sie ausgerechnet ihn vergessen zu bestellen oder zu kaufen? Nein, kaufen kann man ihn nicht, auch wenn manche Geschenke so ein Kaufversuch für den Frieden sein können oder sind. Meine Familie jedenfalls hofft einfach, dass er sich unbestellt und von alleine einstellt, sola gratia sozusagen, allein aus Gnade, als das Geschenk schlechthin, nach mancherlei Komplikationen und dem Stress der letzten Wochen.

Friede an Weihnachten? Nun, so einfach ist es nicht für jeden Menschen: Und da brauchen wir nicht nur an die Probleme und Konflikte in der weiten Welt denken, auch die ganz persönlichen Beschwernisse und Lasten, die jeder von uns mit sich herumträgt, sind oft viel entscheidender für uns.

Ja, manche dieser Lasten werden zu Weihnachten als besonders schwer empfunden. Da geht Dir der liebe Gesprächs- und Lebenspartner ab, der Mann, die Frau, die Eltern, nahestehende Freunde - die Situation ist nicht einfach aufzufangen: Verlust- und Einsamkeitsgefühle, verstärkt an Heiligabend, dem ersten ohne ihn, ohne sie. Ein anderer erlebt Weihnachten unter angespannten oder zerrütteten Familienverhältnissen. Und ich denke vor allem auch an die, die aufgrund eines medizinischen Befundes oder Krankheitsentwicklung schon ahnen müssen, dass dieses Weihnachten ihr letztes sein könnte.

Das Weihnachtsfest birgt durchaus auch seine Beschwernisse und Risiken für die menschliche Seele, das menschliche Gemüt. Aber sollten wir es deshalb etwa nicht mehr feiern? Manche tun ja genau das, dass sie Weihnachten nicht mehr feiern, haben mit Weihnachten „nichts am Hut“, verweigern sich den Familientreffen, finden das ganze Brimborium mit Festessen und Geschenken aufgesetzt und verlogen („Friede, Friede, und ist kein Friede!“), viele fahren sogar möglichst weit weg oder gehen in die Disco. Das sei Ihnen ja vergönnt. Aber ich meine, dass ihnen damit etwas entgeht: Es entgeht ihnen das Licht, das hier in der Kirche und in vielen Häusern brennt. Das Licht als ein Zeichen der Hoffnung gegen alle Dunkelheit dieser Welt, für das unser Friedenslicht und jede Weihnachtskerze stehen und leuchten: ein Licht als Symbol des Friedens.

Für uns, liebe Weihnachtschristengemeinde, hat dieses Licht einen Namen: Jesus Christus. Wenn wir das Fest seiner Geburt feiern, bekräftigen wir unsere Hoffnung auf den Frieden in der Welt, gegen alle düstere Aussichten. Wir erneuern alljährlich, manche von uns auch alltäglich, unseren Glauben daran, dass Gott diese dunkle Welt nicht sich selbst überlässt, dass er – bei allen menschlich-politischen und sozialen Bemühungen –, in einem tieferen und umfassenden Sinne, ja: dass nur er letztlich der Welt und uns den Frieden bringen kann. Er hat ihn einst in der Heiligen Nacht zu den Menschen gebracht. Und er bringt ihn uns auch heute wieder durch seinen Geist des Friedens. Sein Friedenslicht überstrahle alle finsteren Mächte dieser Welt, für uns und die vielen, damit wenigstens etwas mehr Frieden werde auf Erden.

Amen.

 

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