Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

Einführende Worte zum Thema „Kreuz und Toleranz“, Kantate 2018

Aktuell >>

von Pfarrer Johannes Habdank, Berg

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, liebe Gemeinde, im christlichen Glauben grundsätzlich und im Luthertum ganz besonders, weil nach Luther christlicher Glaube nichts anderes als Glaube an den Gekreuzigten, sein Wort und seine Geschichte und die Erlösung durch das Kreuz ist. Das Kreuz steht wie in keiner anderen christlichen Konfession bei uns Evangelischen im Mittelpunkt. Und zwar – für heute gesprochen – in folgendem Sinne: der Gekreuzigte gilt im Luthertum als Urbild des wahren Menschen, eines Menschen, der eben nicht nur ein gesunder, toller, erfolgreicher, smarter und sonniger Typ ist, mit lächelndem Werbegesicht, sondern der ein in sich sehr differenter, auch selbstwidersprüchlicher, schwieriger ist, dessen Bild und Image sich also nicht so leicht verkaufen lassen, weil der Mensch auch ein belastender und belasteter, benachteiligender und benachteiligter, verachtender und verachteter, schlagender und geschlagener, zermürbender und zermürbter, unterdrückender und selbst niedergedrückter, und ein dem Sein zum Tode Ausgelieferter sein kann und ist. Die Stärke des Glaubens an den Gekreuzigten ist - wo sich andere wundern, warum wir an einen Gekreuzigten glauben -, dass er diese ganzen problematischen, widersprüchlichen, negativen Seiten des Menschenlebens nicht ausblendet, sondern aufgreift, aufnimmt und den Menschen somit mit allen seinen Seiten, den hellen und den dunklen, wahrnimmt und anerkennt.

Es ist ein Kreuz mit dem Kreuz, liebe Gemeinde, jetzt neuerdings und ganz aktuell wieder, weil es darum geht, dass das Kreuzsymbol in öffentlichen Gebäuden, Behörden, im Eingangsbereich aufzuhängen sei.

Wenn man die Diskussion wenigstens im Groben verfolgt:
Bei den Gegnern dieses Vorhabens treten alle Klischees, Ressentiments und Kritikpunkte, auch Diffamierungen, an den Tag, die sie auch sonst gegenüber Religion, Christentum und Kirche haben und artikulieren, nur einfach in aktuell zugeschnittener, politisierter Version. Da geht sogar die Rede vom Kreuzzug – geschmackloser geht es kaum!

Bei verfassungs- und rechtsbewussten kritischen Christen wird i.d.R. die mangelnde Trennung von Staat und Kirche, also fehlendes Neutralitätsverhalten des Staates kritisch ins Feld geführt.

Andere auch verfassungskundige und rechtsbewusste Christen sagen: Wir haben aber nur eine „hinkende“, „wohlwollende“ Trennung. Und damit leben Staat und Kirche bei uns sehr gut. Also: Kreuz im Eingangsbereich von Behörden: ja, wie auch etwa in Schulen, möglichst.

Dann gibt es natürlich auch Befürworter der Kampagne des neuen bayerischen Ministerpräsidenten. Nicht nur, aber vor allem konservative evangelische Christen, nicht nur aus Franken, wo es viele Evangelikale gibt, viel mehr als hier in der eher liberal eingestellten oberbayerischen Diaspora: Sie wundern sich, dass man bei uns jetzt schon nicht einmal mehr das zentrale Glaubenssymbol des immer noch kulturprägenden Christentums aufhängen darf, wo man will, im Übrigen stehe es ja doch auch an vielen Straßenrändern und auf den Berggipfeln. Was sie wiederum mit allen Bergfexen verbindet. Darf es aber auch in staatlichen Behörden sein?

Dann gibt es die, die sagen: o.k., wenn Kreuz, dann aber auch „Halbmond“ daneben - in der Behörde, so Johanna Haberer in einer Fernsehsendung vor ein paar Tagen. Dann könnte man allerdings zurückfragen: Halbmond auch auf den Berggipfeln? Nein, da oben ist doch gar kein Platz für einen ganzen „Halbmond“! - Dass es sich im islamischen Bereich nicht um einen Halbmond handelt, sondern um eine Mondsichel, so viel hätte sich ja einmal hier bei uns Christen oder Atheisten herumsprechen können. Aber das wissen auch viele Journalisten nicht. Den Bergfex schaudert jedenfalls die Vorstellung, wie das wäre mit zusätzlich der Mondsichel auf dem Gipfel.

Mir selbst würde, das ist meine persönliche Meinung, momentan – ich bin noch mitten im Meinungsbildungsprozess begriffen – eine Lösung am ehesten einleuchten, wonach das Kreuz aufgehängt wird in den Behörden, aber dann darunter oder auf gleicher Höhe daneben eine Deutung geschrieben wird, „INRI“ reicht heute nicht mehr …, damit auch alle wissen, dass mit diesem Kreuz an dieser Stelle nichts Ausgrenzendes gemeint ist, sondern, wie mit vielen religiösen Symbolen, der Hinweis auf etwas Höheres, als wir alle es sind, das auch der Staat und seine Gewalten nicht herstellen oder hervorbringen können, sondern zur Relativierung ihrer eigenen Macht zu respektieren haben, weil sie als Staat und Recht und Gesetz mehr voraussetzen, als sie selbst sind: Religion und Moral. - Speziell im Falle des Kreuzes wäre eine solche Deutung neben dem Kreuz der Hinweis auf den Gedanken der Allversöhnung, der mit dem christlichen Kreuz gemeint ist, der Versöhnung mit Gott und der Menschen miteinander. Eine solche Deutung müsste dazugestellt werden. Damit alle wissen: Im Zeichen des Kreuzes werden die Menschen- und Persönlichkeitsrechte des Einzelnen und aller Minderheiten gewahrt und geschützt, es ist ein Zeichen für wahre Integration.

In der gegenwärtigen vielfältigen, aufgeregten Diskussion habe ich irgendwo einen Vorschlag aufgeschnappt, der heißt: einfach unter oder besser neben das Kreuz als Deutung die Art. 1 und 21 des Grundgesetzes schreiben, soll heißen: im Zeichen des Kreuzes sind bei uns die Menschen- und Persönlichkeitsrechte und ist Verfassungsgerechtigkeit garantiert. Und zwar eben und gerade auch mit dem Kreuz und vom Versöhnungsgedanken des Kreuzes her. Dann würde bei dieser erstaunlich medienwirksamen Söderschen Kreuzaufhängungsaktion dem Vorwurf des Missbrauchs eines religiösen Symbols für parteipolitische Wahlkampfzwecke durch die Wirkung der Kreuze zu einem gewissen Grad widersprochen werden könnte.

Ich selber neige derzeit zu: Kreuze ja, aber: mit passender Deutung. Ob das die Grundgesetz-Artikel sein müssen, weiß ich nicht, die brauchen eigentlich kein Kreuz davor. Aber der Punkt ist m.E. schon: das Kreuz allein ist als Symbol so offen und vieldeutig, dass auch sehr viel Unpassendes damit verbunden werden kann. Eine klare, positive Deutung, sichtbar und lesbar, muss mit diesem Kreuz verbunden werden. Kreuze allein aufhängen, reicht nicht! Es muss vermittelt werden, dass das Kreuz für Versöhnung und Toleranz steht, und nichts anderes, und interreligiös: zumindest für Respektieren anderer Glaubensmeinungen in einem Land, in dem Religionsfreiheit herrscht, auch in Bayern.

Ja, es ist ein Kreuz mit dem Kreuz und seiner Deutung in den unterschiedlichen religiösen, gesellschaftlichen und politischen Kontexten, oder?

Kommen wir zu uns hier und heute, liebe Gemeinde! Ohne zu ahnen, weil nicht absehbar war, wie aktuell auf einmal das Thema wieder sein würde, hat unsere Konfirmandin Agnes Seidl, die jetzt gleich zu Wort kommt, in den letzten Wochen eine Predigt ausgearbeitet und vorbereitet zum Thema „Kreuz und Toleranz“, die sie nun halten wird. Meine Worte heute waren also nur eine Vorrede, aus aktuellem Anlass. Ich darf nun Dich, liebe Agnes, an die Kanzel bitten, dass Du uns heute Deine Gedanken näher bringst.
 

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