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30.09.2018 - Gottesdienst am 18. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank 

Was heißt „ohne Ansehen der Person“?

anlässlich des für heute vorgesehenen Predigttextes aus dem neutestamentlichen Jakobusbrief, Kapitel 2, die Verse 1-9, sie lauten:
Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz!, und sprächet zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setze dich unten zu meinen Füßen!, ist's recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?
Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist? Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter.

Liebe Gemeinde, zwei Gedanken möchte ich Ihnen dazu nahebringen:

Da ist zum einen der biblische Gedanke, dass das Gesetz, das Gebot der Nächstenliebe offenkundig nicht nur die Funktion hat, Gebot zu sein, also anzusagen, dass wir das Gebot der Nächstenliebe erfüllen sollen. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Das steht übrigens auch schon im Alten Testament, unter vielen anderen Gesetzen und Geboten, über 620 sind´s, je nachdem, was man als Gesetz oder Gebot gelten lässt.

Jesus hat jedenfalls das Nächstenliebe-Gebot zu dem einen entscheidenden Gebot gemacht, und zwar in Verbindung mit dem Gebot der Gottesliebe, das heißt: er hat es zum wesentlichen und absoluten Gebot erhoben, ihm damit absoluten Verpflichtungscharakter gegeben, es zum absoluten Maßstab aller anderen Gebote, Normen und Verhaltensregeln für unseren menschlichen Sozialumgang, für religiösen Kult und das göttlich und menschlich gesetzte Recht, erhoben. Nur was diesem Maßstab gerecht wird und entsprechend gelebt wird, wird als Gott wohlgefällig angesehen. Nur, was in diesem seinen Sinne dem Leben dient, ist wirklich gut.

Dieses Gebot ist in der Interpretation damals wie heute vielfältig auslegbar, auch individuell in der jeweiligen Situation selbst verantwortlich zu gestalten und zu leben.

Aktuelles Beispiel: Unterstütze ich einen Asylbewerber, obwohl er nach den Gesetzen des Landes abgeschoben werden muss, oder nicht? Gegebenenfalls gegen das Gesetz. Leisten wir im Einzelfall Kirchenasyl, unter Berufung auf das Gebot der Nächstenliebe gegen herrschende staatliche Regelungen, weil wir nächstenliebend sind und uns um das Schicksal des Einzelnen kümmern, mit dem Anspruch, mehr und besser als der Staat und seine Institutionen diesen „Fall“ beurteilen zu können, Einblick in das jeweilige Leben des Betreffenden zu haben und uns besser zu kümmern, so dass wir im Einzelfall die Bremse ziehen müssen? Kirche als „rechtliche Parallelgesellschaft“? Das ist umstritten, wir bei uns machen es gemäß Kirchenvorstandsbeschluss grundsätzlich nicht, lieber unterstützen wir den Asylhelferkreis, so gut wir können.

Und da gäbe es sicher noch andere Beispiele, wo man um konkrete Nöte weiß und eigentlich helfen sollte - oder doch nicht müsste? Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Das klingt toll und ist ja auch „der Renner“ des Christentums, kirchengeschichtlich nicht gerade immer befolgt, um es gelinde zu sagen, aber in der eher ethisch ausgerichteten Moderne bis heute immer öfter und immer mehr, soweit man etwas weiß vom Christentum. Also, wenn Sie Leute auf der Straße fragen - und das wäre ja auch mal ein Konfirmandenprojekt: „Was ist für Sie das Wesentliche des Christentums und der Kirche?“, halt, nein, nicht der Kirche, es soll ja nur um die Idee gehen: dann kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit die Antwort: „Die Nächstenliebe! Finde ich gut, dass die das machen …“

Nun, die Nächstenliebe ist Gegenstand eines Gebots, weil man uns Menschen, so sind wir eben, es erst sagen muss: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst! Selbstliebe hingegen und Selbsterhaltungstrieb sind uns wie jedem anderen Tier, sofern wir als Gattung nur speziellere, geistbegabte Tiere, aber eben Tier sind, angeboren. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst: der jüdische Philosoph des Personalismus Martin Buber übersetzt: „Liebe Deinen Nächsten. Er ist wie du“, er hebt damit auf die Motivationsebene ab:
In diesem Sinne also: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

Wie und in welchen Situationen soll man dieses Gebot realisieren? Und können wir das eigentlich immer?
Was Martin Luther zu dem Thema „Befolgung des Gebots der Nächstenliebe“ besonders herausgestellt hat, ist das, was im gehörten Jakobus-Text am Ende gesagt wird: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter.“

Es ist ein zentraler reformatorischer Gedanke, dass das Gesetz, das Gebot, auch das Liebesgebot, den Menschen grundsätzlich auch immer als Übertreter eben dieses Gesetzes überführen würde. Das bedeutet: Das Gebot der Nächstenliebe ist etwas, woran du dir bitte auch klar machen kannst und sollst, wo du ihm immer auch nicht gerecht wirst, das dich sensibilisiert für deine Defizite, das dir zeigt, wo du wieder mal nicht genügend getan hast, um das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen, wo du tatsächlich oder naturgemäß wieder einmal oder grundsätzlich „Sünder“ bist - etwas freundlicher gesagt: dieses Gebot möchte dir vor Augen führen, dass „noch Potenzial vorhanden ist“ bei dir.

Wo war damals noch Potenzial vorhanden und wo ist es heute, bei uns, gemäß den biblischen Worten?

Das ist der zweite Gedanke, um den es mir heute geht, den ich Ihnen und Euch nahelegen will, zur Überlegung: da geht es jetzt um die Idee „ohne Ansehen der Person“.

Liebe Gemeinde, Sie kennen alle von irgendwoher die Darstellung der römischen Göttin Justitia, der Rechts- und Gerichtsgöttin. Sie hat klassischer Weise drei Attribute, symbolische Merkmale: Die drei Attribute sind die Augenbinde, die Waage und das Richtschwert. Sie sollen verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person (Augenbinde), nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird. So das alt überkommene Ideal.

Die Augenbinde kam übrigens erst im hohen Mittelalter dazu, kunst-geschichtlich zumindest. Also etwa zu Luthers Zeiten, weswegen er vielleicht in diesem Bewusstsein den Gedanken der Augenbinde, also des „ohne Ansehen der Person“ besonders hervorgehoben hat, nicht nur, weil es in der Bibel steht.

Wozu trägt Justitia überhaupt eine Augenbinde? Sollte sie nicht vielmehr den perfekten Überblick und Durchblick haben, könnte man kritisch zurückfragen? Nun, die Augenbinde steht als Symbol für die Unparteilichkeit und die Gleichheit vor dem Gesetz. Justitia richtet „ohne Ansehen der Person“. Richten so unsere Richter heute auch, in ihrem Sinne? Es könnte ja sein, dass bei der Realisierung dieser Justitia, also bei weltlichen Gerichten nicht erst heute manchmal die Augenbinde leicht verschoben ist, zum Beispiel nach links oder rechts, oder nach oben oder unten, oder dass diese Gerechtigkeit und Gleichbehandlung garantierende Augenbinde – dass sie nicht ganz blickdicht ist? Also Zusammenhänge mit einfließen, die „objektiv“ gar keine Rolle spielen dürften?

„Ohne Ansehen der Person“ urteilen? Das ist nicht gerade leicht.

Der Autor des heutigen biblischen Predigttextes hatte keine Gerichtsperspektive vor Augen, sondern den Umgang der Christen in der Gemeinde miteinander. Den hatte er vor Augen, ohne Augenbinde. Und zwar in seiner damaligen Gemeinde. Seine kritische, entlarvende Diagnose lautete: „Wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setze du dich hierher auf den guten Platz!, und sprächet zu dem Armen: Stell du dich dorthin!, oder: Setze dich unten zu meinen Füßen!, ist's recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?“

Das ist ja immer, auch heute noch aktuell. Werden Leute in der Gemeinde bevorzugt behandelt, nur weil sie wichtige, anerkannte Persönlichkeiten sind, weil sie vermögend sind oder gerne und gut spenden? Weil sie „reich“ sind?

Das scheint damals eine Gefahr, ja ein Missstand gewesen zu sein, insbesondere, dass sog. „Reiche“ eine Sonderbehandlung erfuhren, einen Sitzplatz zugewiesen bekamen, „Arme“ aber gerade noch einen Stehplatz hatten in der Gemeinde, wie es heißt.
Das fand der biblische Autor verkehrt. Er schreibt: „Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist?“

Es scheint damals tatsächlich eine Bevorzugung der Wohlhabenden in der Gemeinde gegeben zu haben. Es gibt damals Reiche, die die Ärmeren sogar vor Gericht ziehen und unterdrücken. Diese Reichen bevorzugt zu behandeln, damit würde man das Gleichheitsgebot der Nächstenliebe verletzen. Richtig, für damals, heute gäbe es so etwas wohl hoffentlich nicht!?

Woraus man aber aus unserer Bibelstelle sicher für heute nicht ableiten kann, dass alle „Reichen“ und Wohlhabenden – wobei biblisch ja noch nicht einmal klar ist, ob es um Einkommensreiche oder Vermögensreiche geht - eo ipso zu verteufeln wären, nur weil sie einen höheren Wohlstand haben als andere, höchstens die „Ungerechten“, wie es biblisch gemeint ist, die Schwächere, als sie es sind, ungerechterweise unterminieren.

Liebe Gemeinde, und damit komme ich zum Schluss,
vor allem die sog. Theologie der Befreiung aus Lateinamerika, aber auch viele hiesige Kirchen, EKD, Kirchentag, und viele evangelische Pfarrer erzählen ja gerne, das Evangelium gelte primär den Armen. Wobei „Arme“ in der Regel dann rein materiell definiert werden. Da spricht die Bibel aber eine andere Sprache in unserem heutigen Text: Sie qualifiziert die Armen als „im Glauben reich“ und als „Erben des Reiches“. Es geht also letztlich gar nicht um den materiellen Reichtum oder die materielle Armut, sondern darum, wer „geistlich“ reich ist oder arm. Und so gilt auch heute für materiell Arme und Reiche: 
„Haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person.“

Denn allen gilt von Jesus Christus her das Evangelium, besonders den Armen zwar, aber auch nur, sofern sie im Glauben reich sind. Das können aber auch die materiell Reichen, etwa die „Besserverdiener“ (als hätten sie es gestohlen, was sie sich erworben haben) sein. Nein: „Im Glauben reich“, darauf kommt es an, ob du reich bist oder arm – „ohne Ansehen der Person“, wie vor Gott, so bei uns, auch in unserer Gemeinde.

Amen.

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