Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Datenschutzerklärung


Anmeldung / Abmeldung
Newsletter


Online Anfrage für
Taufe oder Trauung


Gemeindebrief

mit Einzelseiten zum Download


"Lindenbichl 2019"
Ausgebucht!


Ägyptenreise 2019
vom 2. bis 9.5.2019

Informationen hier (mit Info vom 22.1.)


 Kirchenvorstands-
sitzungen

11.03., 08.04., 06.05.,
03.06., 08.07., 16.09.

jeweils 20.00 Uhr


Familien- und Kindergottesdienste

24.3, 21.04., 26.5.,
30.05., 21.07.


Theologie für die Gemeinde

mit Pfarrer Johannes Habdank

Montag 27.05.2019,
20.00 Uhr


Offenes Tanzen 

Tanzen mit Christa 
für Jung und Alt

15.02., 22.03., 26.04.,
24.05., 21.06., 19.07. 

  jeweils Freitag, 20.00 Uhr


 





Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

20.01.2019 - Gottesdienst

Aktuell >>

Predigt von Pfarrer Prof. Klaus-Peter Jörns am 2. Sonntag nach Epiphanias im Katharina von Bora-Haus

Text: Markus 9,2-10

Die Verklärung Jesu
2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg, nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verklärt; 3 und seine Kleider wurden hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose, und sie redeten mit Jesus. 5 Und Petrus antwortete und sprach zu Jesus: Rabbi, hier ist für uns gut sein; wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 6 Er wusste aber nicht, was er redete; denn sie waren verstört. 7 Und es kam eine Wolke, die überschattete sie. Und eine Stimme geschah aus der Wolke: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören! 8 Und auf einmal, als sie um sich blickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein. 9 Als sie aber vom Berg herabgingen, gebot ihnen Jesus, dass sie niemandem sagen sollten, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn auferstünde von den Toten.
10
Und sie behielten das Wort und befragten sich untereinander: Was ist das, auferstehen von den Toten?

 

Predigt

Liebe Gemeinde,

I.

Predigten sollen, hat man früher gesagt, das Gemüt erbauen, also Mut machen, Jesus nachzufolgen. Das kann so stehenbleiben, wenn man den Satz ergänzt um den Zusatz: Predigten sollen auch aufklären, warum und mit welcher Absicht unsere religiösen Überlieferungen so geworden sind, wie wir sie in der Bibel haben. Dafür eignet sich, finde ich, die Geschichte von der sogenannten „Verklärung“ Jesu gut. Denn bei einer Erzählung, in der es um bildliche und akustische Erscheinungen geht, handelt es sich nicht um eine christliche Besonderheit. Wir brauchen bei modernen Bibelausgaben nur an den Rand zu schauen und uns die dort angezeigten biblischen Parallelen anzusehen, um zu erkennen, dass die Evangelisten in der sogenannten Verklärungsgeschichte auf biblische Vorbilder zurückgreifen und diese zitieren. Das gilt vor allem für Erscheinungen Jahwes, die auf dem Berg Horeb dem Mose[1] und später dem Propheten Elia[2] zuteil geworden waren. Von daher erklärt sich auch, dass gerade sie von den Jüngern neben Jesus gesehen werden.  

Doch auch in nichtbiblischen Literaturen gibt es zahlreiche Erzählungen, in denen Gestalten sich sehen und Stimmen sich hören lassen, die die alltäglichen Erfahrungen unterbrechen. Und diese Erscheinungen verändern das Leben derer, in das sie buchstäblich einbrechen.

Verwandt sind diese Erscheinungen mit Erfahrungen, die Menschen in Träumen gemacht haben, und auch mit den sogenannten Nahtoderfahrungen. Wobei in den Nahtoderfahrungen eine in Lichtglanz gehüllte Gestalt mit einer guten Botschaft eine zentrale Rolle spielt.

Allen Erscheinungen sind gewisse Erzählzüge gemeinsam: Die Gestalten sind groß, sie werden von einem ungewöhnlichen Lichtglanz (Nimbus) umhüllt, der mal ihre Haut, mal ihre Kleider glänzend-weiß macht; die Menschen, die die Erscheinung miterleben, geraten in Furcht, werden aber von den Erscheinenden mit der typischen Aufforderung „Fürchte dich nicht / Fürchtet euch nicht!“, die wir aus der Weihnachtserzählung bei Lukas kennen, und einer sofort folgenden Botschaft beruhigt. Und sie erhalten einen Auftrag, der ihr Leben verändert.

Fragen wir, warum die alten Erzähler solche aufwändigen Szenen und Erzählungen verwendet haben, so gibt es eine schlichte Antwort: Die große, zum Teil ungeheuer große Bedeutung, die jene Botschaften beinhalten, werden von diesen Erzählungen legitimiert, und zwar göttlich. Denn durch alle religiösen Epiphanien scheint der in einer anderen als der irdischen Wirklichkeit geglaubte Gott hindurch: Die Erscheinungen öffnen also die in sich geschlossene Welt für die Transzendenz. In der Gotteserscheinung, die Mose auf dem Berg Horeb erlebt hatte, ging es darum, dass Gott Jahwe mit Israel einen Bund schließt und die Zehn Gebote erlässt. In der Verklärungsgeschichte Jesu geht es darum zu proklamieren, wer denn dieser Jesus eigentlich ist, mit dem die Jünger schon eine ganze Zeit lang unterwegs sind: „Dies ist mein geliebter Sohn“ sagt die göttliche Stimme, und denselben Satz hat diese Stimme auch schon bei Jesu Taufe durch Johannes gesagt.[3] In der Weihnachtserzählung schließlich sagt der Engel den Hirten: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ Epiphanie-Erzählungen sagen den Lesern und Hörern, dass das, was sie glauben, auch glaubwürdig ist, weil Gott selbst dahintersteht.

II.

Ein Zug in unserer Erzählung fällt dabei besonders auf. Er betrifft das Verhältnis Jesu zu den beiden anderen Gestalten, die in der jüdischen Bibel eine so große Bedeutung haben: Mose ist der, der Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft herausgeführt hatte, und Elia ist der, der in seinem Tod mit einer spektakulären Himmelfahrt für seinen Kampf gegen die Andersgläubigen von Gott geehrt worden ist.[4] Sie gesellen sich zwar zu Jesus, aber sie werden nicht von Licht umgeben. Und als die Jünger den Dreien je eine Hütte bauen wollen, damit sie bei ihnen bleiben, wird diese Äußerung vom Evangelisten als Produkt des Erschreckens abgetan. Keine Hütte wird gebaut, und stattdessen erschallt die Stimme, die Jesus als Gottessohn proklamiert.

Aber dann ist er schon wieder ohne Glanz. Von jetzt an wirft die Passion ihren Schatten auf Jesus. Und Mose und Elia sind verschwunden. Jesus bleibt allein auf dem Berg bei den Jüngern. Und das heißt: Mose und Elia stellen die religiöse Herkunft und Vergangenheit dar. Für die Christen aber gilt, was ihnen Gottes Stimme sagt: „Auf ihn, Jesus, sollt ihr hören!“[5] Johannes hat in seinem Evangelium den theologischen Grund dafür benannt: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit (aber) ist durch Jesus Christus geworden.“[6] Die Wahrheit! Die Wege von Juden und Christen haben angefangen, sich zu trennen.

Auch die Epiphanien der Evangelien gehören, liebe Gemeinde, zu dem, was die Evangelisten als sehr sorgfältig vorgehende, gläubige Schriftsteller an mündlichen und schriftlichen Überlieferungen von Jesus gesammelt, bearbeitet und in den Evangelien zusammengeführt haben – das Markusevangelium ist ungefähr im Jahr 70, also 40 Jahre nach Jesu Tod, geschrieben worden. Sie haben damit im Auftrag ihrer Gemeinden die inhaltliche Basis des neuen Glaubens geschaffen. Denn Gemeinden gleich welcher Religion sind damals, wesentlich stärker als heute, Erzählgemeinschaften gewesen. Da Jesus, seine Jünger und Apostel Juden waren, mussten die Erzählungen Auskunft darüber geben, was und warum bei den Christen nun anders, und vor allem, wie Jesus selber einzuordnen war: Ein neuer Mose? Elia? Prophet? Oder gar der erwartete Messias? Und nichts hat diese letzte Frage so dringlich gemacht, wie sein Verbrechertod am Kreuz. Unsere Geschichte folgt bei Markus unmittelbar auf die erste Ankündigung Jesu, dass er getötet und nach drei Tagen auferstehen werde. Die himmlische Stimme, die Jesus als Gottes Sohn ausweist, sollte offenbar den Hörern der Leidensgeschichte im Ohr bleiben. Lasst Euch nicht herunterziehen von seinem Ende. Schaut auf Ostern, auf die Auferstehung, voraus! Ostern wird den Tod in den Schatten des Lichts stellen. Das ist erzählte Theologie, aber es ist auch Seelsorge – bis heute.

III.

Neben den Erscheinungen, in denen lichtumflutete Gestalten auftreten, gibt es in antiken griechischen Mythen und auch schon im Alten und im Neuen Testament noch einen ganz anderen Typ von Erscheinungen. Das sind ganz alltägliche Geschichten, in denen sich Menschen begegnen. Doch plötzlich wird klar, dass die Erzähler in einem oder mehreren Menschen einem Gott begegnet sind. Es ist, als wenn sie eine Hülle um sich gehabt hatten, die sie plötzlich abwerfen, um als die zu erscheinen, die sie wirklich sind. In den Mythen ist das so häufig, dass man sagen kann, niemand in Griechenland konnte wirklich sicher sein, in einem fremden Menschen nicht einem Gott oder einer Göttin zu begegnen. Auch hier erwies sich die Welt immer wieder als offen für die Transzendenz.

Das ist in der alttestamentlichen Geschichte von den drei Männern auch so, die Abraham und Sara vor ihrem Zelt besuchen und der alten Frau verheißen, dass sie übers Jahr einen Sohn haben werde. Dass es Gott ist, erkennt der Hörer der Erzählung daran, die die Drei, wenn sie von sich reden, nicht „wir“, sondern „ich“ sagen.[7] Und das heißt: Aus ihnen redet Gott.

Im Neuen Testament finden wir eine ähnliche Erscheinung in der Geschichte vom Gang der Jünger am Ostermorgen nach Emmaus. Sie trauern über Jesu Tod, das leere Grab und das Ende ihrer Hoffnungen auf ihn. Da gesellt sich ein Wanderer zu ihnen. Er fragt sie aus und deutet ihnen das Geschehene von alten Prophezeiungen her. Sie laden ihn in ihr Haus ein, und beim abendlichen Mahl, als er, der Gast, wie ein Hausherr das Brot bricht, erkennen sie ihn an der Art des Brotbrechens: Es ist Jesus, er ist auferstanden.[8] Doch im selben Moment, in dem sie ihn erkennen, ist er auch schon „ihren Blicken entschwunden“. Fassbar, festzuhalten wie ein Stück Brot, ist der Auferstandene nicht. Oder noch anders ausgedrückt, heißt die Botschaft dieser Erscheinung: Der Auferstandene ist verborgen gegenwärtig bei den Menschen, „in, mit und unter“ ihnen selbst – wie das Reich Gottes auch, das mitten unter uns ist,[9] selbst in einer verrückt gewordenen Welt wie unserer ist es gegenwärtig in vielen Lichtblicken und liebevollen Taten von Menschen.

Hier wird zum ersten Mal deutlich, dass uns diese eigentlich fernen Erscheinungen doch etwas näher rücken, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Ganz nahe aber kommen sie, wenn wir uns das Zentrum des Gleichnisses vom Weltgericht näher ansehen.[10] Ihr erinnert Euch: Jesus Christus, hier als der Menschensohn bezeichnet, hält das Weltgericht. Und er teilt die Menschen aus allen Völkern, die vor ihm erscheinen, auf in diejenigen, die den Zugang zu Gottes Reich erben, und denen, die an diesem Erbe keinen Anteil haben werden. Das Maß, mit dem der Menschensohn misst, lautet: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und habt mir zu trinken gegeben. Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen. Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet. Ich war krank, und ihr habt euch meiner angenommen. Ich war im Gefängnis, und ihr habt mich besucht.“ Das Überraschende an der Szene ist, dass die Erben des Reiches Gottes gar nicht wissen, wovon der Menschensohn redet, denn sie haben ihn, sagen sie, doch nie als einen Bedürftigen gesehen. Die Antwort des Weltenrichters deckt auf, was er, was Gott, mit dem Leiden in der Welt zu tun hat: „Was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Der Weltenrichter solidarisiert sich nicht nur mit den Leidenden und Hilfebedürftigen, er identifiziert sich mit ihnen. Auch hier wird die geschlossene Welt, in der wir Menschen unter uns leben und Politik betreiben, geöffnet: Sie zeigt sich plötzlich so, wie sie ist, wenn sie offen für den Menschensohn Jesus ist, wenn er in ihr und nicht nur im Kreuz an der Wand gesehen wird.

Liebe Gemeinde: In Griechenland konnte man sich nicht sicher sein, in einem oder einer Fremden einer Gottheit zu begegnen. Die Botschaft, die Jesus hinterlassen hat, lautet: Wir müssen uns sicher sein, dass Gott uns in jedem leidenden Menschen begegnet, der unsere Hilfe braucht. Wir verstehen, dass dieser Satz heute auf die Willkommenskultur zielt, die wir gerade Stück für Stück begraben: „Wann haben wir Dich am Grenzzaun gesehen, oder in einem Schlauchboot auf dem Mittelmeer? Das waren doch Syrer, Afrikaner, Afghanen?“ Die Antwort des Menschensohns lastet als eine Bürde auf uns. Ja, das ist wahr. Aber dass wir Gott Gutes tun, wenn wir Leidenden helfen – das ist eine Würde, die durch nichts zu übertreffen ist.

 


[1] Ex 24,12-18, 34,27-35.
[2] 1. Kön 19,12ff.
[3] Wörtlich Mt 3,17. Als Anrede direkt an Jesus: Mk 1,11: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen“.
[4] 2. Kön. 2,9-14.
[5] V. 7.
[6] Joh 1,17.
[7] 1. Mose 18,1-15.
[8] Lk 24,13-35
[9] Lk 17,20-21.
[10] Mt 25, 31-45.
 

 

Zurück

 

Evangelische Termine in Bayern

Aktuelle Nachrichten

13.02.2019 - Kunstwerk des Monats Februar

Anna Eibl-Eibesfeldt aus Ascha bei Straubing im Katharina von Bora-Haus

weiter lesen


10.02.2019 - Gottesdienst m. A.

am 4. Sonntag vor der Passionszeit mit Pfarrer Johannes Habdank im Katharina von Bora-Haus 

weiter lesen


27.01.2019 - Gottesdienst

am letzten Sonntag nach Epiphanias mit Pfarrer Johannes Habdank im Katharina von Bora-Haus 

weiter lesen


20.01.2019 - Gottesdienst

am 2. So. nach Epiphanias mit Pfarrer Prof. Klaus-Peter Jörns (im Nachgespräch zur Predigt)

weiter lesen


17.01.2019 - Ökumenischer Neujahrsempfang

mit Festvortrag von Wilhelm Warning "Das Neue"

weiter lesen


09.01.2019 - Kunstwerk des Monats Januar

Hommage an Fritz Winter aus Dießen im Katharina von Bora-Haus

weiter lesen


13.01.2019 - Ökumenischer Wortgottesdienst

zur Gebetswoche für die Einheit der Christen in der Pfarrkirche Aufkirchen

weiter lesen