Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Ägyptenreise 2019
vom 2. bis 9.5.2019

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Familien- und Kindergottesdienste

18.11., 02.12.


Theologie für die Gemeinde

mit Pfarrer Johannes Habdank

Montag 28.01.2019,
20.00 Uhr


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Tanzen mit Christa 
für Jung und Alt

2018: 16.11., 07.12.
2019: 18.01., 15.02.

  jeweils Freitag, 20.00 Uhr


 





Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Aktuell

08.07.2018 - Gottesdienst am 6. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt von Pfarrer Johannes Habdank über Apostelgeschichte 8, 26-39

Leben, wo andere Urlaub machen – das gilt in besonderer Weise für unsere wunderschöne Gegend am Starnberger See, hier in Berg.

Nun, 13 von 16 Bundesländern haben bereits Sommerferien, ganz Bayern und wir hier profitieren davon, dass die anderen bei uns Urlaub machen. Und wenn wir am letzten Juli-Wochenende als letztes Bundesland Sommerferien bekommen, kehren die Hessen, Rheinland-Pfälzer und die Saarländer an ihrem Ferienende ein paar Tage später gerade wieder nach Hause zurück. Und dann machen wir Urlaub, wo andere leben – manche bleiben sogar lieber hier, weil´s hier gar so schön ist!

Für viele Menschen sind die Ferientage in den Sommermonaten die schönsten im ganzen Jahr. Raus hier! Endlich mal ausspannen können, „die Seele baumeln lassen“, sich erholen vom Stress, den Mühen und Problemen des Alltags in Beruf und zu Hause. Millionen begeben sich auf Reisen. Das beliebteste Transportmittel ist nach wie vor das Auto; ungefähr die Hälfte der Bundesbürger treten die Urlaubsfahrt mit dem eigenen Wagen an.

Ganz ungetrübt ist die Freude jedoch nicht. Die große Reiselust führt zwangsläufig dazu, dass wie in jedem Jahr auch diesmal wieder die Autobahnen und Fernstraßen zum Teil völlig überlastet sind. Kilometer-lange Staus zehren an den Nerven der Reisenden. Die Polizei mahnt dringend zu vorsichtigem, entsprechend angepassten Fahrverhalten.

„Reisen statt rasen“ empfehlen große Plakate am Rande der Autobahnen. Wer rast, sofern er denn kann, wird die Schilder aber kaum lesen können, weil er an ihnen vorbei rast. Ferien-Stress statt Ferien-Zeit, wo man doch gerade in den Ferien nur für eines nicht Zeit haben wollte und sollte: Stress! Denn auch der kostet Zeit: Nerven-Zeit, die man dann k.o. ist, wenn man ankommt! Also bei mir dauert es normalerweise mindestens zwei bis drei Tage, bis ich endlich angekommen bin, die Seel hinterher gekommen ist, bis ich da bin und allmählich zur Ruhe komme.

Dass es auch ganz anders gehen kann, erzählt eine – gewissermaßen – Urlaubsgeschichte aus dem Neuen Testament. Der Ferienreisende ist mit einem Pferdewagen unterwegs, nicht hektisch, sondern er lässt sich Zeit und ist offen für das, was auf ihn zukommt. Das kommt ihm schließlich zugute.

Die Episode wird erzählt von Lukas in der Apostelgeschichte:

Der Engel des Herrn redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf die Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt und öde ist. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Mann aus Äthiopien, ein Kämmerer und Mächtiger am Hof der Kandake, der Königin von Äthiopien, welcher ihren ganzen Schatz verwaltete, der war nach Jerusalem gekommen, um anzubeten. Nun zog er wieder heim und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Geh hin und halte dich zu diesem Wagen! Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie kann ich, wenn mich nicht jemand anleitet? Und er bat Philippus, aufzusteigen und sich zu ihm zu setzen. Der Inhalt aber der Schrift, die er las, war dieser (Jesaja 53,7-8): „Wie ein Schaf, das zur Schlachtung geführt wird, und wie ein Lamm, das vor seinem Scherer verstummt, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Urteil aufgehoben. Wer kann seine Nachkommen aufzählen? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.“ Da antwortete der Kämmerer dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet das, von sich selber oder von jemand anderem? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit diesem Wort der Schrift an und predigte ihm das Evangelium von Jesus. Und als sie auf der Straße dahinfuhren, kamen sie an ein Wasser. Da sprach der Kämmerer: Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse? Und er ließ den Wagen halten und beide stiegen in das Wasser hinab, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus und der Kämmerer sah ihn nicht mehr; er zog aber seine Straße fröhlich.

Liebe Gemeinde, diese „Geschichte vom Kämmerer aus dem Morgenland“, aus Äthiopien, gehört zu den freundlichsten im ganzen Neuen Testament. Lukas, der Autor, hat sie literarisch kunstvoll aufgebaut – mit einem wunderbaren Spannungsbogen und einem richtigen Happy End! Und das Grundmotiv der Geschichte ist nicht ohne Humor: Philippus, ein Apostel Jesu, betätigt sich als Anhalter und Wegbegleiter eines Ministers aus Schwarzafrika. Deren gemeinsame Kutschfahrt mit Bibelstudium mündet in die Taufe. So idyllisch das Ganze auch anmuten mag – die Geschichte möchte im Sinne des Erzählers doch mehr sein als nur eine romantische Novelle. Aber von vorne:

Da finden zwei Menschen mitten auf der Landstraße zusammen, zwei Menschen, die einander im Grunde gar nicht fremder sein könnten, die so ziemlich alles voneinander unterscheidet: die Herkunft, die Hautfarbe, Vermögen, Milieu, gesellschaftlicher Stand. Der eine ist ein hoher Finanzbeamter im Dienste der Königin von Äthiopien, ein vornehmer und zugleich ein frommer Mann. Er steht innerlich dem jüdischen Glauben nahe. Er bekennt sich zum Monotheismus, zum Glauben an den einen Gott, und ist darauf bedacht, dessen Gebote zu erfüllen. Seine Reise nach Jerusalem dient nicht der Erfüllung eines politisch-diplomatischen Auftrags; sie ist vielmehr eine Art private Wallfahrtsreise zu den heiligsten Stätten des Judentums. Anstrengend ist diese Reise; sie dauert mehrere Wochen, führt teilweise mitten durch die Wüste und ist nicht ohne Gefahren. Aber der Kämmerer nimmt dies alles auf sich, ja: so ernst ist es ihm mit seinem religiösen Interesse. Auch die lange Rückfahrt nach Hause nutzt er zum Studium heiliger Schriften, zumal die Gegend vor Gaza, die er wohl gerade durchquert, öde und ohne größeren landschaftlichen Reiz ist. Laut liest er, so wie damals üblich; aber der Text aus dem Buch Jesaja mit seinen eigentümlichen Bildern und Metaphern macht ihm Mühe. Da ist die Rede von einem Schaf, das zur Schlachtbank geführt und später eindrucksvoll rehabilitiert wird. Wer oder was soll das sein?

Da kommt es ihm sehr gelegen, dass plötzlich – wie aus dem Nichts heraus – ein Unbekannter vor ihm auftaucht. Der ist zwar nicht vornehm, nicht reich, nicht von edlem Blut. Er ist ein einfacher Wanderapostel. Aber – und das allein zählt in diesem Augenblick – der kennt sich in den heiligen Schriften aus. Zumindest suggeriert das die an sich erstmal ziemlich unverschämte Frage des daher gelaufenen Wanderapostels: „Verstehst du auch, was du liest?“ So muss man sich eigentlich als „hohes politisches Tier“ nicht „auf der Straße anmachen“ lassen, aber: die Frage hat genau getroffen! Grund genug für den Kämmerer, ihn spontan in seine Kutsche zu bitten. Philippus erklärt dem Kämmerer die Jesaja-Stelle und erzählt ihm von Jesus. Und er macht das so einladend und überzeugend, dass der Afrikaner keine Sekunde länger zögert: „Siehe, da ist Wasser; was hindert’s, dass ich mich taufen lasse?“ Gesagt, getan. Das Grübeln hat ein Ende, und auch die Strapazen der Reise spielen mit einem Mal überhaupt keine Rolle mehr. Der Kämmerer hat zum Glauben an Jesus gefunden, und das erfüllt ihn mit einer tiefen Freude.

Alles zu schön, um wahr zu sein? Eine nette Episode, mehr nicht?

Doch, liebe Gemeinde, viel mehr! Für Lukas hat sie ohne Zweifel paradigmatische Bedeutung. Sie symbolisiert beispielhaft den Weg des Evangeliums hinaus in die Welt. Wie die Geschichte wohl weiter gegangen ist? Ich stelle mir vor, wie der Kämmerer daheim am äthiopischen Königshof von seiner Reise berichtet und natürlich auch von seiner überraschenden Begegnung mit dem Apostel Philippus. Wie er von Jesus erzählt und von der Taufe. Und wie die Zuhörer Augen und Ohren aufsperren, innerlich berührt nicht nur von der Erzählung, sondern vor allem von der Freude, die der Getaufte ausstrahlt. Das weckt Interesse und Neugier. Auf diese Weise pflanzt sich dann das Evangelium weiter fort, in der Umgebung des äthiopischen Königshofes und darüber hinaus, von Mensch zu Mensch, von Ort zu Ort: Christentum als Impulsgemeinschaft derjenigen Individuen, die sich gegenseitig zum christlichen Glauben und Leben anregen, aufeinander und gegeneinander wirken, so dass sich das Evangelium produktiv weiter verbreitet. Wie es F.D.E. Schleiermacher vor knapp zweihundert Jahren gesehen hat: Kirche als Impulsgemeinschaft, die sich ausweitet von wenigen hin zu vielen, und sich wechselseitig „animiert“, von anima: die Seele: „die Seele belebt, sie in Stimmung versetzt, Lust und Mut macht, in Bewegung versetzt“. Darum geht es! Diesen biblischen und auch neuzeitlichen Gedanken sieht man heute in unserer Bibelgeschichte exemplarisch vorgebildet.

Ich habe es eingangs ja schon gesagt: Die Geschichte vom Kämmerer aus Äthiopien zähle ich zu den schönsten im Neuen Testament. Weil es in ihr so menschlich und natürlich zugeht und sie doch zugleich voller Tiefe und Weisheit ist. Und es ist doch einfach großartig, wie hier – ohne großes Publikum und ohne groß aufgemachte Szene, nein ganz einfach – zwei Menschen auf offener Straße miteinander tief ins Gespräch kommen. Und es ist wie eine Fügung! Das Eine ergibt das Andere, der Andere wird von dem Einen gewonnen, wie der Kämmerer aus dem Morgenland von Philippus!

Ich komme zum Schluss und frage uns alle: Wo gibt es so etwas bei uns? Bei Ihnen, bei Euch? Im verkleinerten Maßstab vielleicht?
Also bei mir persönlich-beruflich sind´s – außerhalb von den klassischen Anknüpfungspunkten an ein in der Regel eher kirchendistanziertes Publikum wie bei Taufen, Konfirmationen oder Hochzeiten, auch Beerdigungen – immer wieder – aber auch ganz anders: Gesprächsgelegenheiten beim Einkaufen, in Aufkirchen, hier in Berg oder in Starnberg und Wolfratshausen. Solche inzwischen fast schon reihenweisen Anknüpfungspunkte sind immer wieder auch Anfangspunkte für Neues bei einigen Menschen, die Verbindung aufnehmen und uns dann auch manchmal verbunden bleiben, vom Kunstwerk des Monats oder auch dem Musikalischen Gottesdienst ganz zu schweigen. Manchmal genügt schon ein einfaches, nettes Gespräch, ein Kontakt an der Wursttheke oder an der Kasse, mit dem Kinderwagen auf dem Spaziergang, eine Begegnung in der Sportgaststätte oder beim Sommerfest oder in irgendeinem Festzelt. Da trete ich sicher nicht auf als missionarischer Apostel, der die Leute mit einer prophetischen Bibelstelle behelligt –, die anderen sind ja auch nicht die Bibel studierenden Finanzminister aus Äthiopien!
Nein, wir backen kleinere Brötchen als zu Bibels Zeiten!

Trotzdem gut und feinsinnig: Während damals der Apostel Philippus geistgewirkt auf einmal einem fremden Wagen nach rennt und ihn anhält, kann der andere heute den alltäglichen Einkaufswagen zum Vehikel auffrischender Verbindung machen! Tun Sie es bitte auch; Kommunikation im Interesse der gemeindebildenden Verbindung und Verbindlichkeit. Probieren Sie aus, was Ihnen gelingt, neue Leute zu gewinnen auf Ihre Weise für unsere gute Sache, das Evangelium und alles, was – frei interpretierbar - in seinem Sinne ist!

Ja, zu allen guten Ideen und ihrer Umsetzung verhelfe uns allen unser Gott. Amen.

Und der Herr sei mit Euerem Geiste, ob beim Einkaufen, auf der Autobahn im Stau, in der Ferne oder in unserer wunderschönen Heimat - wo auch immer, im Alltag, überall! Tag und Nacht, heute und allezeit! Amen.




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