Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

Vorgeschichte

Erste evangelische Gottesdienste zwischen Starnberger See und Wolfratshausen

Pfr. HJ Köppen

Protestanten in Bayern bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts

Die Geschichte der ersten Protestanten auf dem Gebiet der heutigen Kirchengemeinden Ebenhausen/Icking – Feldafing/ Pöcking - Wolfratshausen – Starnberg/Berg beginnt natürlich viel früher, als das 150-jährige Jubiläum des ersten öffentlichen evangelischen Gottesdienstes 1851 – 2001 nahe zu legen scheint.

Um 1630

Dass es ausgerechnet der Schwedenkönig Gustav Adolf - der „Gegner“ - war, der im Münchner Schloß die erste evangelische Predigt halten ließ: „ welche neben dem Gesang und Gebet mit sonderlichem Eifer und Andacht verrichtet worden...“[i] hat es freilich in der Folgezeit eher leicht gemacht, die protestantischen Andersgläubigen auch noch in die „antibayrische“ Ecke zu stellen.

1759

Erst mit der Aufklärung änderte sich das Klima. Nach der Gründung der bayerischen Akademie der Wissenschaften (1759) gab es von Anfang an hervorragende protestantische Wissenschaftlicher, die jetzt in Bayern arbeiteten, wie zum Beispiel den evangelischen Direktor der Akademie Christian Pfeffel.

Noch war Bayern nicht Königreich, als schon der Zuzug evangelischer Bürger – auch hier um den Starnberger See deutlich zunahm. Und als dann die dynastische Erbfolge Regenten nach Bayern brachte, die nichtkatholische Vorfahren oder evangelische Frauen hatten, schien eine Wende in der bayerischen Konfessionslandschaft entgültig vollzogen.

1781

Carl Theodor von der Pfälzer Linie brachte von Mannheim viele evangelische Beamte mit nach München. 1781 wird der Protestant Heinrich Zimmermann zum Leibschiffmeister für die kurfürstliche Flotte auf dem Starnberger See ernannt. – Bürgerrecht in Starnberg bekam er freilich noch lange nicht: 20 Jahre lang währte der Schriftwechsel, ehe er 1804 in Starnberg ein Grundstück erwerben und darauf sein Haus bauen konnte. Also 3 Jahre, nachdem dem Weinhändlers Michel als erstem Protestanten das Bürgerrecht in München verliehen wurde (wenn auch gegen der Willen der Stadt und erst auf massiven Druck des Kurfürsten).

1799- 1803

Vorausgegangen war diesen Verleihungen der Bürgerrechte an erste Protestanten die Feier des ersten evangelischen Gottesdienstes im Kurfürstlichen Nymphenburger Schloß am 12.Mai 1799 und die Einweihung des evangelischen Betsaals im Schloß am Palmsonntag 1800.

Überhaupt das Jahr 1799: Es bedeutete einen wichtigen Einschnitt. Mit dem Regierungsantritt von Kurfürst Max IV. Joseph, wird dessen Gattin, die evangelische Karoline von Baden, bayerische Kurfürstin und sein Staatsminister Maximilian von Montgelas wird das erste Toleranzedikt für Protestanten in Bayern erlassen.

Bereits im ersten Regierungsjahr –1800 - wurde der Ausschluss aller Protestanten von öffentlichen Ämtern aufgehoben und ihnen das Recht der freien Niederlassung und das Recht zum Erwerb von Liegenschaften zugebilligt. Im Folgejahr fasste das oben genannte Toleranzedikt (1801) all diese neuen Rechte zusammen.

Noch zwei Jahre wird es dauern, bis dann – 1803 – das Religionsedikt den Katholizismus als Staatsreligion in Bayern beendet und die Gleichheit der drei christlichen Konfessionen herstellt. Dies war auch notwendig geworden, weil dem neugeschaffenen Königreich Bayern die Gebiete Frankens und Schwabens angegliedert worden waren, in denen ein hoher Anteil evangelischer- und jetzt auch bayerischer- Bürger lebten.

Überhaupt Montgelas: Er baute die moderne Verwaltung des neuen Königreiches auf und fragte dabei weniger nach der Konfession, als viel mehr nach der Qualifikation der wichtigsten Beamten: „Auch bey künftiger Besetzung der Staatsämter werden Wir jederzeit nur auf die Würdigsten ohne Unterschied der im teutschen Reich eingeführten drey christlichen Religionen, den landesväterlichen Bedacht nehmen.“

Protestanten zwischen Starnberger See und Wolfratshausen

Dies alles führte bald evangelische Beamte, Richter, Förster in die Gebiete südlich Münchens und um den Starnberger See. Auch mancher Ministerialbeamte bekam in dieser Zeit sein Grundstück am See, um dem Königshaus während der Sommermonate in Berg nahe sein zu können. Bald folgten diesen protestantischen Führungskräften evangelische Arbeiter und Handwerker: Sächsische (evangelische) Bergleute kamen in die Bergwerksbetriebe nach Penzberg, die schweizerische Bandweberei der reformierten Gebrüder Mayer aus Aarau errichtete im säkularisierten Kloster Polling eine Filiale in der 100 reformierte und auch lutherische Familien Arbeit fanden. Für sie holte der Fabrikbesitzer wiederholt den Pfarrer Raiffeisen nach Polling. Auch die aufblühenden Fremdenverkehrsorte zogen Gäste und Dienstleister aus protestantischen Gegenden hierher nach Bayern (z.B. in den Jodbadebetrieb nach Bad Tölz).

Dass dies alles nicht einfach eher zufällig passierte, sondern geplanter Landesentwicklung entsprach, lässt sich einem Regierungstext von Kurfürst Max Joseph IV. aus dem Jahr 1801 entnehmen:„Unsere Landesväterliche Absicht ist durch Ansiedlung fremder Religions- Verwandten an vielen noch öde liegenden Ländereyen fleißigen Anbau zu verschaffen.“

Eine erste kleine Disaporagemeinde

So brachte die allerorts in Gang gekommene Moorkultivierung Nichtkatholiken nach Bayern. Auch in unserer Gegend liegt hier die Wurzel für die kleine evangelische Gemeinschaft zwischen Aufhausen, Bachhausen, Höhenrain und Wolfratshausen. Noch der Berater des bayr. Kurfürsten für Landeskultur, Graf Rumford, hatte aus den Heimatländern des Kurfürsten, aus der Rheinpfalz und aus Baden diese Kolonisten in dieser Moorbrache angesiedelt. So entstand hier eineerste kleine Diasporagemeinde.

Reichtum war hier freilich keiner zu gewinnen. Diese ersten Protestanten rochen lange nach Armut und wurden noch länger für unredlich und asozial gehalten.

Evangelisch im Landgerichtsbezirk Starnberg

Bemühen wir uns um einen Überblick der Ansiedlung evangelischer Bürger für unseren engeren Einzugsbereich, dann zählt im ersten Viertel des 19. Jahhunderts der Landkreis etwa 116 Protestanten, für Starnberg selbst nur 5 Personen evangelischer Konfession. Für den Bereich am Ostufer des Starnberger Sees mit Wolfratshausen sieht das Bild etwas anders aus:

1826

Der Visitationsbericht[ii] von Pfarrer Georg Falk für die katholische Pfarrei Aufkirchen vom 20. März 1826 berichtet von „20 Protestanten und 2 Widertäufern“ und von einer „;Mischehe in Farchach in welcher die Kinder protestantisch erzogen wurden.“ Auch die Steuerkataster bestätigen dieses Bild. Wir erfahren

  • dass in Bachhausen auf dem „Wastl“ seit 1817 die protestantische Familie des Georg und der Katharina Schwertle mit ihren Kindern Jakob, Peter, Viktor, Peter lebte. Von 1820 bis 1859 verzeichnen die Kirchenbücher Aufkirchens für diese Familie: 9 Taufen und 4 Sterbeeinträge.
     
  • Und auf dem Hof „Mentl“- einem ehemaligen Hof des Klosters Tegernsee – lebte die evangelische Familie des Conrad und der Katharina Much, mit dem Vater Michael Much sowie den 4 evangelisch getauften Kindern: Christoph, Elisabeth, Corbinian,, Johann, sowie die Familie Mathias und Ursula Much mit ihren 3 Kindern: Ursula(+), Ursula, Johann Baptist. Für diese Familie verzeichnen die Kirchenbücher 7 Taufen und 3 Sterbeeinträge.
     
  • Weiter erwähnen die Steuerkataster den evangelischen Bauern Adam Beck aus Höhenrain vom „Klostermeier“. Hier leben Adam Beck und später Adam Beck jun. mit seiner Ehefrau Anna Maria zusammen mit ihren Kindern Gottlieb, Adam, Ludwig und Anna Maria. Die Kirchenbücher nennen für diese Familie 5 Taufen und einen Sterbeeintrag.
     
  • Schließlich wird der evangelische Baron Franz von Elsholtz mit seinem Sohn Gustav Adolf erwähnt. Er lebt auf dem „Dosch“ einem ehemaligen Hof des Hauses Wittelsbach in Berg.[iii]


Stutzig macht freilich, dass dabei der aus Rheinpreußen stammende protestantische Gutsbesitzer Ten Berg namentlich nicht erscheint, obwohl er es ist, der einen Raum seines Gutshofs bald für die evangelischen Gottesdienste zur Verfügung stellt. So ist möglicherweise doch noch von einigen mehr evangelischen Christen damals in unserer Gegend auszugehen. Zumal auch die Gottesdienstbesucherliste der ersten Gottesdienste weitere Namen nennt (s.u.)

Bis zu dieser Zeit war die Zahl der evangelischen Christen in Starnberg fast gleich geblieben. Obwohl sich die Einwohnerschaft der Stadt zwischen 1840 und 1871 fast verdoppelte, was mit dem Bau der Eisenbahnlinie am Westufer des Starnberger Sees zusammenhängt. Danach aber nehmen die Zahlen der evangelischen Bürger in Starnberg rasch zu und bald verlagert sich der Schwerpunkt evangelischer Ansiedlung vom Ostufer des Sees an sein Westufer nach Starnberg: 1875 leben hier 55 Evangelische, 1885 115 und 1890 183 evangelische Christen.

31. Oktober (Reformationsfest) 1859

Es ist nur folgerichtig, dass in Erinnerung an die Entschließung des Kgl. prot. Konsistoriums vom 30. November 1848 nun wieder alles unternommen wird, in Starnberg einen Gottesdienstort zu finden. Einem Antrag auf Überlassung eines Raumes im Starnberger Schloss vom 12. Okt.1859 wird stattgegeben und so kann der erste Gottesdienst in Starnberg am 31.Oktober 1859 (Reformationsfest) in der sogenannten „Hühnerstube“ des Starnberger Schlosses gehalten werden.

Die ersten evangelischen Gottesdienste

Diese Überschrift schreibt sich leichter, als der Bericht über die konkreten Umstände ausfallen kann. Genauer: Wann genau der erste evangelische Gottesdienst hier gehalten wurde, lässt sich nicht mit letzter Genauigkeit sagen. Und das – genau das markiert den gut protestantischen Anfang unserer Gottesdienstgeschichte:

18. März 1850

Alle Pfarrbeschreibungen[iv] wissen von evangelischen Gottesdiensten im Jahr 1850 in der Villa der Baron Franz von Elsholtz in Berg. Sie ist heute abgerissen, lag damals direkt gegenüber der katholischen Johanniskirche in Berg. Solche Hausgottesdienste, hat es möglicherweise auch schon länger gegeben. Sicher aber können wir davon ausgehen, dass im Frühjahr 1850 und im Herbst bei diesem sächsischen Gesandten evangelische Gottesdienste mit dem Reiseprediger Immanuel Popp( s.u.) stattfanden. – In den Akten des Königlich Protestantischen Ober- Konsistoriums weiß man davon allerdings nichts.

Gut protestantisch dieser Anfang, weil diese ersten evangelischen Gottesdienste am Starnberger See für das Gebiet der heutigen Pfarreien Feldafing/Pöcking, Starnberg mit Berg, Ebenhausen mit Icking und Wolfratshausen (mit damals noch Kochel, Penzberg, Baierbrunn) nicht durch königlich konsistoriale Genehmigung oder kirchenleitend offizielle Entschließungen eingerichtet wurden, sondern weil evangelische Christen in einer weit verstreuten Diaspora Gottesdienst wollten, Predigt, „Wort und Sakrament“: Gemeinde lebt hier vor institutioneller Genehmigung.

Dann aber regierten Staat und Kirche erstaunlich schnell: Erst 1819 wurde in München das evangelische Oberkonsistorium für Bayern eingesetzt, dessen Leitung Pfr. Schmidt unter der Oberaufsicht des Bayr. Königs hatte. 1834 wurde in München ein evangelisches Predigerseminar eingerichtet. Und bald danach konnten die ersten Reiseprediger ihren Dienst beginnen.

30. November 1848

Mit der Zahl der Protestanten in Oberbayern nahm auch die Arbeit dieser Reiseprediger zu. Am 30.11.1948 wurde Friedrich Immanuel Popp als dritter Reiseprediger „aufgestellt“ mit der ausdrücklichen Verpflichtung, „den in Oberbayern zerstreut lebenden Protestanten von Zeit zu Zeit Gottesdienste in Verbindung mit der Feier des heiligen Abendmahles zu halten.“[v]

Friedrich Immanuel Popp war von 1849-1855 für unser Gebiet als Reiseprediger zuständig. Er starb 1902 als emeritierter Pfarrer, Dekan und Kirchenrat zu Wiesenbronn).

1. Juli 1849

Am 1. Juli 1849 nahm er seinen Dienst auf, mit dem Auftrag: „...Seelsorgerlich bedient sollen werden die verstreut lebenden Protestanten, welche auch keinem Pfarr- oder Vikariatssprengel zugewiesen sind oder von keinem ausreichend pastoriert werden können.“[vi] Wegen dieser fehlenden Gemeindezuordnung waren diese Reiseprediger auch nur eingeschränkt selbstständig. Im Anschluss an seine Gottesdienste konnte Vikar Immanuel Popp zwar Taufen und andere Amtshandlungen halten, aber er hatte diese danach dem zuständigen katholischen Pfarramt[vii] zu melden, da sie nur dort im Matrikelbuch (diese ersetzten die späteren Standesamtsbücher) festgehalten werden konnten. Sechs Jahre bereiste Vikar Popp so seine oberbayerischen Predigtstationen. Jährlich sollte er laut dem Erlass des kgl. prot. Konsistoriums aus dem Jahr 1848 folgende Gottesdienste halten: 12 mal in Fürstenfeld, 4 mal in Burghausen, 2 mal je in Berchtesgaden, Tegernsee, Freising, Starnberg, und in den Münchner Vororten. So das Programm. Gut der Plan. Schwierig die Realisierung:

Bericht vom 8. Juni 1850:

„...In Starnberg fehlt es an einem geeigneten Locale. Der Postexpeditor Jung, selbst Protestant hat zwar den hinreichend geräumigen Saal in seinem Hause zur Benutzung angeboten, aber theils ist dieser im Sommer an Freunde aus der Stadt vermietet, theils ist auch Jung mehr ein in die Gesellschaft des freien Geistes debütierender Jünger als evangelischer Christ, was den Vikar auch nicht eben freudig macht, auf sein Anerbieten einzugehen.“[viii] Kurz: Für Starnberg war kein für den evangelischen Gottesdienst zu finden.[ix]

Da aber erinnert man sich an die bereits bestehenden Gottesdienste in Berg. Hier wurden sie – zunächst in der Villa Elsholtz (anders auch Eltzholz), später in einem Raum des Gutshofes von Ten Berg in Aufhausen zwei mal jährlich gehalten. Der Nachfolger von Immanuel Popp, der Reiseprediger Adolf Elsperger beschreibt die Besucher dieser Gottesdienste als arme Moosbewohner des Bachhauer Filz und dessen Umgebung. – Die Liste der Gottesdienstbesucher sagt etwas anderes!

Adolf Elsperger ist der 2. Reiseprediger, der das Gebiet vom Starnberger See bis Wolfrathausen mit seinen Filialorten seelsorgerlich von 1855 – 1860 betreut. Er wird den ersten Gottesdienst in Starnberg halten. Er stirbt 1912 als emer. 1.Pfarrer, Dekan und Kirchenrat in Windsbach.

Getreulich hat man vor allem in den ersten Gottesdiensten die Besucher vermerkt – einige Namen sind uns bereits aus den Steuerkatastern bekannt. Pfr. Hiller überliefert in seiner Pfarrbeschreibung die Teilnehmerliste des ersten historisch völlig gesicherten Gottesdienstes aus dem Jahr 1851[x]:

18. März 1851

„Die noch in der heutigen Pfarr- Registratur liegende schriftliche Einladung zu einem dortselbst (Gutshof Then Bergk, Aufhausen) am 18. März 1851 stattfindenden Gottesdienst enthält nachfolgende Liste von Namen:

                  Baron von Elsholtz in Berg

                  Christian Bader, Pächter in Berg

                  Mathias Much, Gütler in Bachhausen

                  Peter Schwertle, Gütler in Bachhausen

                  Jakob Derzbach, Gütler in Bachhauserfilz

                  Peter Derzbach, Maurer in Biberkor

                  Adam Beck, Gütler in Höhenrain

                  Heinrich Hans in Dorfen

                  Assessor Hoppe in Wolfratshausen

                  Kaufmann Kerl

                  Schneidermeister Elfroth

                  Jaeger, Hausknecht

                  Buchloh, Steuermann in Starnberg

                  Lutz, Austrägler in Leutstetten

                  Kamm, Schäfer in Petersbrunn

                  Margarete Zeisler, in Soecking – Baumeisterin am Maffei’ schen Gut

                  Zeiß, Gutsbesitzer in Soecking

                  Neuner, Ziegler in Hanfeld

                  Derzbach, Gütler aus der Wiesmath bei Oberbrunn

                  Naething, Jakob, Hirt von Landstetten in Perchting

Diese genannten bilden sozusagen den Grundstock der heutigen Gemeinden... und die Villa Elsholtz sowie der Gutshof in des Then- Bergk (auch andere Schreibweisen) in Berg-Aufhausen sind gleichsam die Wiege für alle weiteren Gottesdienstorte und Kirchen in diesem Einzugsbereich.

Weil in der folgenden Zeit die Zahl der Gottesdienstbesucher immer mehr zunahm wurde schließlich die Zahl der jährlichen Gottesdienste auf drei erhöht und so blieb es bis zu Jahr 1859[xi].

15. Juli 1852

Prediger Popp nimm in seinen Reiseberichten auf diese Entwicklung Bezug - und ergänzt die bisherigen Informationen durch interessante Details: „Die Stationen der Gottesdienste (s.o.) sind die gleichen geblieben. Nur ist dazugekommen Aufhausen im Landgericht Wolfratshausen, aber unweit des Starnberger Sees, wodurch für das Bedürfnis der Protestanten in und um Starnberg gesorgt und der anfängliche Plan, dort einen Gottesdienst einzurichten, realisiert ist. Da der Gottesdienst im Hause des Gutsbesitzer Then Bergk in Aufhausen gehalten wird und an dessen Hof und Familie geknüpft ist, mit seinem Abzug wieder aufhören oder verlegt werden müsste, so hat das Dekanat von dem Antrag auf eine förmliche Regierungsgenehmigung dazu Umgang nehmen zu dürfen geglaubt, ihn vielmehr unter die Kategorie von Haus- Gottesdiensten einstweilen gerechnet.....[xii].“

Gut ökumenisch- und wohl mehr als nur eine Legende?

Hierher passt eine sehr schöne Geschichte, die durch viele Chroniken und Berichte weitertradiert wird: An einem der Gottesdienste, dem sich ein Heiliges Abendmahl anschloß, nahmen unerwartet gegen 80 Personen teil, so dass die Gottesdienstbesucher bis in den Hof hinein standen. Da für all diese Personen nicht genügend Hostien vorhanden waren, schickte der Reiseprediger Vikar Elsperger zum katholischen Pfarrer nach Aufkirchen mit der Bitte, doch mit einigen Hostien auszuhelfen. Dieser half gerne aus und schickte den Boten mit genügend Hostien zurück. Eine Geste die dieser jungen Gemeinde wohlgetan hat und bis heute beim Lesen freut.[xiii]

Die Gottesdienste werden öffentlich anerkannt

1. Juni 1855

War im Jahr 1852 noch von einer förmlichen Regierungsgenehmigung für diese Gottesdienste Abstand genommen worden (s.o.), da es sich hier lediglich um Hausgottesdienste handele, so waren bis zum Jahr 1855 diese Gottesdienste aber dann doch zur Regel geworden. Manchmal mit bis zu 80 Teilnehmern aus der näheren und weiteren Umgebung. Deswegen waren sie nun doch bei der Kreisregierung als öffentliche Gottesdienste anzumelden. Dies geschah durch einen Antrag von Dekan Burger vom 1. Juni 1855[xiv]

„... Von Anfang an hatte sich in Starnberg kein passendes Locale finden lassen wollen, auch von den protestantischen Bewohnern Starnbergs sich wenig Eifer für die Errichtung dieser Gottesdienste gezeigt, da sie leicht, jetzt durch die Eisenbahn noch viel leichter, so oft sie wollen, zum sonntäglichen Gottesdienst nach München sich begeben können. Da aber auf die in Starnberg zu haltenden Gottesdienste auch die im Landgericht Wolfratshausen zerstreuten Protestanten angewiesen sind, so konnte die Station nicht aufgegeben werden. In Aufhausen, zwischen Starnberg und Wolfratshausen wohnt ein protestantischer Gutsbesitzer mit Namen Ten Bergh, in dessen Haus ein geeignetes Zimmer zur Verfügung für fraglichen Gottesdienst gestellt und von Vikar Popp schon dazu benützt worden ist, so wird diese Anzeige hiermit erstattet und das königliche Oberkonsistorium gebeten, auch der Kreisregierung von dieser Ortsveränderung Mittheilung zu machen, gegen welche, da alle übrigen Verhältnisse die alten bleiben, nichts zu erinnern sein wird.

Gez. Burger

26. Juni 1855


Bereits am 26. Juni – wenn nur heute die Ämter auch so prompt arbeiten würden – traf die Genehmigungsurkunde des Bayerischen Staatsministeriums für Kirchen- und Schulangelegenheiten ein:

„Seine Majestät der König haben zu genehmigen geruht, dass unter den angezeigten Verhältnissen die inhaltlich der Entschließung vom 30. November 1848 für die Protestanten aus der Umgebung von Starnberg festgesetzten alljährlichen zweimaligen Gottesdienste statt an diesem Orte zu Aufhausen abgehalten werden.“

31. Oktober 1859


So blieben dann auch die Verhältnisse, bis der Schwerpunkt der Entwicklung sich nach Starnberg verlagerte und dort am Reformationsfest 1859 der erste evangelische Gottesdienst gefeiert werden konnte. Dass damit sogleich ein Ende der Gottesdienste im Haus Then Bergk gegeben war scheint wegen der seelsorgerlichen Betreuung der Protestanten im Landgerichtsbezirk Wolfratshausen eher unwahrscheinlich,

9. Juni 1887

denn hier wird erst am 9. Juni 1887 im Wohnzimmer des Forstmeisters von Lupin der erste evangelische Gottesdienst gefeiert. Damit aber beginnen weitere, neue Kapitel der Geschichte des evangelischen Gottesdienstes unserer Gemeinden, die vor allem in den Städten Starnberg und Wolfratshausen geschrieben werden.

Der Anfang: Gut protestantisch!

Die ersten evangelischen Gottesdienste der Filzler, Gütler, Beamten, der Literaten und Diplomaten:

Gut protestantisch

  • Die Gemeinde als Prototyp der Kirche schafft sich ihre Gottesdienste selber:

 

Viele Jahre lang fehlt für diese Gottesdienste die öffentliche ja anfangs sogar die kirchliche Wahrnehmung.

  • Die Blickrichtung zur katholischen Kirche geschieht von Anfang an selbstbewusst und tolerant:

Zwischen Intoleranz aber auch überraschender Geschwisterlichkeit gestaltet sich von Anfang an das ökumenische Miteinander
            

  • Die Öffnung auch zur Auseinandersetzung mit Kultur, Literatur, Philosophie und Lebenskunst begleitet diese Gottesdienste von Anfang an:

Baron von Elsholtz, in brieflichem Kontakt mit den literarischen Größen seiner Zeit, Gründer des Vereins für Kunst und Literatur „Die zwanglose Gesellschaft[xv], begabt darin, Menschen unterschiedlicher Couleur und Konfession zusammenzubringen. Er ist der Mentor der ersten evangelischen Gottesdienste. Protestantisch im besten Sinn, schafft er die Möglichkeiten dazu und wenn sein „Diplomatenstatus“ dabei hilft, dann auch recht.


[i] In Merian: „Theatrum Europaeum“,1634

[ii] Diese Angaben verdanke ich freundlicherweise dem Verfasser vieler historischer Bücher unserer Heimat, Herrn

Hans Rudolph Klein, Kempfenhausen

[iii] Auch die Statistik der protestantischen Bürger im Landgerichtsbezirk Starnberg zählt für 1840 im heutigen Berg-

Bachhausen (damals zu Wolfratshausen) 23 evangelische Bürger, dazu eine weitere Familie in Berg- Farchach.
1852 – jetzt in der Zeit des ersten öffentlichen evangelischen Gottesdienstes – vergrößert sich die Zahl um einige

Einzelfamilien in Aufhausen (Gutshof Bergk) und Berg (Villa Elsholtz) mit auf diesen Gütern eingestellten evangelischen Bediensteten.

[iv] Die „Pfarrbeschreibung Starnberg“ von Pfarrer Adolf Heller aus dem Jahr 1913/14 datiert den ersten Gottesdienst auf den 18. März 1850. Ähnlich auch in „75 Jahre Kirchengemeinde Wolfratshausen“, 1975

[v] Akten des Kgl. Protestantischen Oberkonsistoriums im Evang. Luth. Landeskirchlichen Archiv (LKArchiv), Nürnberg

[vi] ebendort

[vii] Deshalb auch die Taufeinträge der ersten evangelischen Familien in den Kirchenbüchern der katholischen Pfarrei Aufkirchen

[viii] aus „Berichte des prot. Dekanats München die Wirksamkeit des dritten Reisepredigers Popp in dem ihm übertragenen Beruf betreffend“ Aktenband 665 des Bestandes Oberkonsistorium München, LKArchiv.

[ix] Auch in seinem Reisebericht vom 7.August 1851 kann Prediger Popp nur wiederholen: „In Starnberg ließ sich auch für das letzte Jahr ein Gottesdienst....nicht einrichten“, ebendort.

[x] Pfr. Heller, s. oben

[xi] Pfr. Heller, Nachschrift S. 3)

[xii] Bericht vom 15. Juli 1852

[xiii] Pfarrbeschreibung, Pfarrer Heller und andere Berichte

[xiv] s. Aktenband 5017 Oberkonsistorium, LKArchiv.

[xv] Dieser „Verein“ besteht auch heute noch in München, s. verschiedene Berichte der Süddeutschen Zeitung



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